BEN WILDER | Lusttagebuch | Bonnie und Clyde (erotische Geschichte)

BONNIE & CLYDE

Ich stehe in der langen Schlange vorm Schalter. Kurz vor Feierabend ist es immer rappelvoll. Die Ladenbesitzer bringen – genau wie ich – ihre Tageseinnahmen zur Bank. Seit Sylvia – meine Chefin – einen neuen Freund hat, schickt sie mich abends. Dabei würde ich genauso gerne lieber mit der S-Bahn heim zu meinem Freund fahren, anstatt hier anzustehen und meine Zeit zu vertrödeln. Außerdem hasse ich es, mit so viel Geld durch die Stadt zu laufen. Und, mir fällt stets ein Stein vom Herzen, wenn ich den Umschlag, und damit auch die Verantwortung, an den Schalterangestellten übergeben habe.

„Der Nächste, bitte!“, sagt der Mann am Schalter und ich darf einen winzigen Schritt nach vorn machen. Wenn es in dem Tempo weiter geht…, denke ich, als ich in meinem Rücken etwas Hartes spüre. Ehe ich verstehe, werde ich in den Schwitzkasten genommen. Ein harter, muskulöser Arm spannt meinen Hals ein.

»Hände hoch, dass ist ein Überfall!«, brüllt der Typ, der mich in seiner Gewalt hat und fuchtelt mit einer Waffe in der Luft herum. Während die anderen Kunden kurz kreischen, beginne ich zu leise zur Röcheln. Gefangen im Schraubstock kriege ich nicht genug Luft. »Haltet eure verfickten Schnauzen!«, fordert der Bankräuber, »Ich erschieße jeden, der schreit!«

Dicht neben meinem Ohr fällt ein ohrenbetäubender Schuss. Wie bei einem Tinnitus, piept es in meinem rechten Ohr nur noch. Er brüllt erneut etwas, aber ich höre es nur so dumpf, dass ich kein Wort verstehe. Ich sehe aus dem Augenwinkel, wie er seine Waffe senkt. Spüre, dass er hektisch nach etwas sucht, meinen Körper dabei ordentlich durchschüttelt. Dann schleift er mich hinter sich her. Klappert die anderen Kunden ab.

Ich verstehe. Er hat es nicht auf den großen Kuchen, den Safe abgesehen, er begnügt sich mit den Tageseinnahmen der Geschäfte. Allein ich habe knapp 3.000 Euro dabei und außer mir, sind da bestimmt noch zwanzig, dreißig andere Boutique-Besitzer oder deren Angestellten. Natürlich auch ein paar normale Bank-Kunden. Nach weniger als einer Minute, hat er alle erleichtert und schleift mich zum Ausgang. Er reißt die Tür eines schwarzen Mercedes auf. »Einsteigen!«, befielt er. Spricht in das Ohr, dass nicht piept. Ich gehorche. Setze mich in den Sportsitz. Ein dumpfer Schlag gegen meine Schläfe und meine Lichter gehen aus.

Als ich meine Augen wieder öffne, dröhnt mein Kopf. Es ist bereits dunkel. »Wo bin ich?«, frage ich. Es dauert einen Moment, bis meine Erinnerungen zurückkehren.

»Wenn du mitspielst, wird dir nichts passieren Mäuschen«, sagt der Fahrer.

Erstaunlicherweise bin ich ziemlich ruhig und gefasst. »Ich habe nicht vor, nicht mitzuspielen«, antworte ich und drehe meinen Kopf nach rechts. Mir fällt auf, dass ich nicht mehr in einem Mercedes sitze, sondern in einem Audi. Er muss, während ich ausgeschaltet war, das Auto getauscht haben. Ich schaue aus dem Seitenfenster und versuche einen Anhaltspunkt zu finden, wo wir sind. Aber, nichts von dem, was ich sehe, kommt mir bekannt vor. »Hat es sich wenigstens gelohnt?«, erkundige ich mich.

Er schaut in den Rückspiegel, schaut sich die volle Tüte auf dem Rücksitz an. »Ich denke ja. Wird wohl reichen.«

»Wofür reichen?«, hake ich nach.

»Geht dich einen Scheiß an!«, blafft er mich an. »Warum seid ihr Frauen immer so neugierig?«

»Ich will verstehen, warum man so etwas macht?«

»Was macht das für ein Unterschied?«, fragt er leicht genervt.

»Einen gewaltigen!«, stelle ich klar. »Für mich zumindest.«

Er schweigt.

»Ich habe mich schon oft gefragt, warum man riskiert für ein paar hundert oder tausend Euro in den Knast zu gehen. Da muss einem das Wasser doch schon bis zum Hals stehen oder nicht?«

»Wohl wahr«, antwortet er.

»Also?«

»Was also

»In was für einer Scheiße steckst du. Sei nicht böse, du siehst für mich gar nicht aus wie ein Bankräuber.«

Er knurrt. »So, wie sieht denn ein Bankräuber aus? Wie viele hast du denn schon live gesehen, außer im Fernsehen vielleicht.«

»Touché!«, antworte ich und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Ich höre das Klacken des Blinkers. Schaue nach vorne und sehe, dass wir in die Einfahrt eines eher nicht so schicken Motels vorfahren. Es hat so ein bisschen den Charakter einer billigen Absteige.

»Wir werde die Nacht hier verbringen. Wenn du keine Dummheiten machst, bist du morgen Nachmittag schon wieder heil und unbeschadet zuhause bei deinem Freund.«

»Wer sagt dir, dass ich nicht verheiratet bin?«, frage ich, während er einparkt.

»Du trägst keinen Ring«, antwortet er selbstsicher. »Jetzt steig aus. Denk dran, ich habe die Knarre in der Jackentasche«, erinnert er mich.

Sofort beschleunigt sich mein Herzschlag. Er sieht gar nicht so böse aus. Ob er sie wirklich benutzen würde?, frage ich mich, bin mir aber zugleich sicher, dass ich es nicht herausfinden möchte.

Als wir am Empfang ankommen, muss ich feststellen, dass der Typ, der gerade auf seinem Schreibtischstuhl sitzt und eine billige Tittenzeitschrift durchblättert, genauso schmierig aussieht, wie das Motel selbst.

»Ein Doppelzimmer für eine Nacht«, sagt mein Kidnapper mit seiner tiefen, männlichen Stimme.

»Mit Frühstück?«, fragt der eklige Typ.

»Nein, wir Frühstücken unterwegs.«

Ich bin dankbar. Wenn ich den pekigen Tresen ansehe und den noch schmuddeligeren Typen, möchte ich hier definitiv nichts essen. Da ist – auch wenn es meine geringste Sorge sein sollte – Herpes vorprogrammiert.

»Auf welchen Namen?«

»Schneider. Carsten Schneider.«

»Und ihre Frau?«

»Es ist nicht meine Frau. Meine Frau sollte hiervon besser nichts erfahren. Deshalb haben wir uns ja dieses wunderschöne Etablissement ausgesucht«, antwortet er flapsig und steckt ihm einen Hunderter zu.

»Dann brauche ich einmal Ihren Personalausweis«, sagt der Schmuddeltyp.

»Brauchen Sie nicht«, stellt er klar und schiebt noch einen Hunderter hinterher.

»Ham’ se recht, brauche ich nicht.« Er lässt die Kohle schnell in seiner Hosentasche verschwinden. »Ich nehme an, Sie zahlen das Zimmer bar?«

Er nickt wortlos.

»Macht dann 69,- Euro.«

Er legt einen weiteren Hunderter auf den Tisch und sagt, »Stimmt so. Und, wir wünschen keine weitere Störung!«

Der Ekeltyp wechselt das Geld. Steckt sich die einunddreißig Euro auch schnell noch in die Hosentasche und antwortet, »Ich werde dafür sorgen, dass Sie nicht gestört werden. Auch, wenn es etwas lauter werden sollte«, dann sieht er mich an und zwinkert mir zu. Bah, ist der Typ widerlich!

»Apartment 3«, sagt er. »Einfach wieder zum Eingang heraus. Rechts herum. Die dritte Tür.« Während er erklärt, wo wir lang müssen, schiebt er den Schlüssel über den Tresen.

»Du nimmst den Schlüssel und gehst vor!«, beschließt mein Bankräuber. Also greife ich den Schlüssel und gehe vor.

»Ich nehme an, du heißt nicht wirklich Carsten Schneider?«, frage ich, als wir an den Apartments entlang gehen.

»Richtig!« Er lacht dreckig.

»Ich schätze, du wirst mir deinen richtigen Namen nicht verraten?«, frage ich und muss schmunzeln, weil ich beim Reden merke, wie doof die Frage eigentlich ist.

»Schätzchen, wenn ich dir meinen Namen verraten würde, könnte ich der Polizei wohl gleich eine Visitenkarte dalassen.«

»Und wenn ich dir verspreche…«

»Vergiss es!«, unterbricht er mich schroff. »Ich denke wir beide haben genug Filme gesehen, um zu wissen, dass du mir alles versprechen würdest, um auf freien Fuß zu kommen. Und jetzt, schließ auf«, sagt er, weil wir bei Apartment 3 angekommen sind.

Der Herpes-Faktor im Zimmer geht eigentlich noch. Es wirkt zumindest sauberer, als ich vermutet hätte. Das Bett sieht sogar frisch bezogen aus. Während er die Tür hinter uns schließt, sehe ich mich um. Ein kleiner, alter, abgegriffener Schreibtisch und ein Holzstuhl, der sogar noch zerschlissener aussieht, als der Schreibtisch. Ich denke, beide haben ihre besten Zeiten schon mehr als zehn Jahre hinter sich. Genauso, wie der Teppich, auf dem ich stehe. Die Farbe erinnert mich an Katzenkotze. Magensäure-gelb und Gras-grün gemischt. Zwischendurch ein paar große Flecken. Manche dunkle Flecken, von billigem Wein. Andere sind undefinierbar. Ich möchte gar nicht weiter darüber nachdenken. »Wie darf ich dich denn nennen?«, frage ich, während ich das Bett aufschlage und mir das Laken ansehe.

Er lacht. »Welcher Name würde denn zu mir passen?«

Ich drehe mich um und lasse mich mit meinen fünfundsiebzig Kilo auf die Matratze fallen. Das Bett quietsch und knarrt. Ich schaue ihn an. Er setzt gerade das dunkelbraune St. Pauli Baseball-Cap ab, dass er tief ins Gesicht gezogen hatte und wirft es auf den kackbraunen Sessel, der am Fenster steht. Jetzt kommen strahlend blaue Augen zum Vorschein. Durch das Capy ist zwar nicht mehr viel von einer Frisur übrig. »Du siehst aus, wie ein Nordmann. Erik oder vielleicht Lasse?«, fällt mir spontan ein.

»Erik klingt gut. Und du heißt?«, will er wissen.

»Lilly«, antworte ich ehrlich und wippe mit meinem Hintern auf dem Bett herum, was es noch lauter zum Quietschen bringt.

Wir fangen beide an zu lachen.

»Du wirst mich nicht abknallen?«

»Nicht, wenn du dich an die Spielregeln hältst!«, stellt er klar.

Seine Worte beruhigen mich. Wobei ich mir darüber im klaren bin, dass wohl kein Geiselnehmer geantwortet hätte: ›Natürlich werde ich dich erschießen. Aber nicht jetzt. Heute Nacht werde ich mich erst noch mit dir Vergnügen. Tote Frauen werden nunmal nicht feucht. Und morgen früh, bevor ich mich aus dem Staub mache, jage ich dir eine Kugel in den Kopf. Oder glaubst du, ich lasse zu, dass du den Bullen haarklein erklärst, wie ich aussehe?‹

Ach du Scheiße, darüber hatte ich ja noch gar nicht nachgedacht. Wird er mich Vergewaltigen? Wird es sich an mir vergehen. Mich benutzen? Ich merke, wie ich kreidebleich werde.

»Was ist los?«, fragt er, denn auch ihm ist es aufgefallen.

»I… I… Ich habe mich gerade gefragt, ob du mich ver… ver… vergewaltigen wirst?«, gebe ich stotternd zu.

»Lilly«, sagt er ruhig und gelassen, »hab keine Angst. Ich werde dich weder erschießen, noch werde ich mich an dir vergehen.«

»Erik, ich bin nicht auf den Kopf gefallen. Du würdest mir auch genau das Gleiche erzählen, wenn du eben genau das mit mir Vorhättest. Du würdest die Hoffnung freizukommen nicht zerstören, damit ich so lange mitspiele, bis mein letztes Stündchen geschlagen hat.«

»Touché«, antwortet er und ein süffisantes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. Dann lässt er sich grinsend in den Sessel sinken und fängt an, dass erbeutete Geld zu zählen.

Als es mir zu lange dauert, lasse ich mich einfach nach hinten fallen. Auf dem Rücken liegend starre ich die Decke an und warte. Denke wieder darüber nach, warum jemand bis zum Äußersten geht. In was für einer Situation muss man sein.

»Erik?«, frage ich, weil ich es wirklich verstehen möchte.

»Lilly?«

»Warum hast du das gemacht?«

»Was interessiert es dich?«, fragt er zurück.

»Ich finde einfach keine Erklärung, warum man wegen ein paar Tausend Euro«

»41.925«, unterbricht er mich.

»Warum man wegen knapp 42.000,- Euro riskiert, die nächsten Jahre im Knast zu verbringen«, vollende ich meinen Satz.

»Es geht dich zwar nichts an, aber ich habe es gemacht, weil mir die Gesundheit meiner Kinder wichtiger war.«

»Hä?«, mache ich. »Erik, so kommen wir nicht weiter. Entweder, du erklärst es mir richtig oder du lässt es ganz bleiben. Deine Entscheidung.«

»Lilly, ich bin Geschäftsmann und eigentlich verdiene ich auch nicht schlecht, aber vor zwei Jahren hat mich meine Frau verlassen. Ich musste ihr die Hälfte meiner gesamten Ersparnisse mitgeben. Ihr, die sich so schön hat von mir aushalten lassen. Leider hatte ich dadurch nicht mehr genug Geld auf meinem Konto, um meine Steuern ordentlich abzuführen. Also habe ich das Schleifen lassen. Irgendwann ließ sich das Finanzamt aber nicht mehr länger hinhalten. Lange Rede, kurzer Sinn: Sie wollten mehr als ich hatte, also musste ich mir von den falschen Leuten Geld leihen. Denen sollte ich innerhalb von einem Monat 30.000,- Euro zurückzahlen. Mir war bewusst, dass ich das nicht schaffen werde. Vielleicht klingt es naiv, aber ich habe gedacht, dass sie mir vielleicht ein paar Knochen brechen werden. Damit hätte ich leben können. Das Opfer hätte ich gebracht. Womit ich jedoch nicht gerechnet hatte war, dass sie mir ein Foto meiner Eltern vor die Nase halten und sagen, dass diese einen tödlichen Autounfall erleiden werden, wenn ich nicht pünktlich zahle.«

»Puh!«, mache ich und fange an zu begreifen. »Ich würde für meine Eltern auch alles tun. Alles!«, gestehe ich und seufze laut.

»Entschuldige!«, sagt Erik kurz darauf. »Es tut mir leid, dass ich dich da mit hineingezogen habe.«

Ich antworte mit einem Lachen. »Schon okay, so passiert wenigstens mal etwas in meinem langweiligen Leben.«

»So kann man es natürlich auch sehen!«, sagt er und stimmt in mein Lachen mit ein.

»Siehst’e. Ich meine, seien wir doch mal ehrlich. Ich bin jetzt sechsunddreißig. Bis Mitte zwanzig war es ja noch lustig. Diskos. Partys. Männer. Freunde. Abenteuer. Aber«, sie holt Luft, »Seit locker zehn Jahren passiert doch nicht mehr wirklich etwas spannendes. Die Freundinnen, sie haben alle Männer, Kinder und keine Zeit mehr. Vegetieren in ihrem Häuschen am Waldrand vor sich hin. Und bei mir ist es doch ehrlich gesagt auch nicht anders. Gezwungener Maßen. Wenn wir ehrlich sind, ist doch jeder Tag gleich. Wir stehen jeden Morgen auf. Machen uns für die Arbeit fertig. Gehen Malochen, um Geld zu verdienen. Kommen abends völlig erledigt heim. Essen etwas. Hauen uns auf die Couch. Gucken, was die Glotze hergibt, bis uns die Augen zufallen. Gehen dann früh ins Bett, damit wir für am nächsten Tag wieder fit für einen Job sind, den wir eigentlich gar nicht mögen.«

»Du musst ja nur noch einunddreißig Jahre«, lacht er höhnisch.

»Yeah, und dann? Rente auf Hartz-IV-Niveau. Ick freu mir! Ich werde nie genug Geld haben, um mir die Welt ansehen zu können. Um Reisen zu können. Um Abenteuer zu erleben.«

Jetzt ist es Erik der laut seufzt. »Optimismus klingt anders!«, brummt er. »Hast du eigentlich Hunger?«, fragt er und wedelt dabei mit der Waffe vorm Gesicht herum.

»Ja, schon. Und du?«

»Ich auch. Aber nichts von hier!«, stellt er prustend fest. »Ist alles nicht so sauber hier…«

»Dir ist das also auch aufgefallen?«, kichere ich.

Er nickt.

»Ich glaube, wenn ich mir hier eine Gabel in den Mund stecke, bekomme ich ’nen Herpes«, hänge ich an.

»Ganz ehrlich?«, fragt er.

»Ja, bitte!«, antworte ich.

»Ich muss eigentlich schon pissen, seit ich in die Bank gestiefelt bin. Ich traue mich hier aber nicht. Ich traue mich nicht einmal ins Bad zu schauen, weil ich Angst habe, Dinge zu sehen, die ich nicht sehen möchte.«

»Ich auch!«, gebe ich zu. »Ich bin eigentlich eine Heimscheißerin. Hab es mir auf der Arbeit schon verkniffen. Selbst da gehe ich nur auf Klo, obwohl es dort wirklich gepflegt ist, wenn ich einen Magen-Darm-Infekt habe und es nicht mehr aushalte. Ansonsten verkneife ich es mir immer, bis ich wieder zuhause bin.«

»Noch eine Gemeinsamkeit«, stellt er lachend fest. »Pass auf, bestellen uns jetzt erst etwas zu essen«, sagt er, »und dann riskieren wir mal einen Blick.« Während er den Satz ausspricht, wird ihm klar, was er vergessen hat. »Du hast doch bestimmt ein Smartphone!«

»Nein!«, lüge ich.

»Gib mir deine Handtasche!«, sagt er schroff. Er glaubt mir nicht.

Murrend werfe ich sie zu ihm rüber.

Er nimmt sie einfach und gibt den Inhalt vor seine Füße auf den Boden. Natürlich fällt neben tausend anderen Sachen unter anderem auch mein Samsung Galaxy heraus. Er macht kurzes Prozess und stampft einfach zwei, dreimal mit der Schuhsohle seiner Doc Martens drauf, bis das display zerplatzt. »Schade, dass du mich angelogen hast. Es zeigt mir, wie wenig ich dir trauen kann!«

»Entschuldige. Reflex«, antworte ich. »Irgendwie habe ich für diese Situation, in der ich mich befinde, viel zu wenig Angst vor dir. Trotzdem ist da immer noch ein kleiner Restzweifel. Eine leise Stimme in mir drin, die mir sagt, dass du mich morgen früh doch kalt machst, damit ich dich nicht verpfeifen kann. Und diese Stimme hat mir geflüstert, dass ich zumindest versuchen muss, dich anzulügen.«

»Pizza, oder chinesisch?«, fragt er und geht wieder zur Tagesordnung über.

»Pizza.«, antworte ich und überlege. »Thunfisch.«

Er holt aus seiner Hosentasche ein iPhone hervor. Tippt ein bisschen auf der virtuellen Tastatur herum. Hält es sich dann ans Ohr. »Larsson«, spricht er ins Mikrofon und grinst mich dabei an, weil er bei einem Nordmann-Nachnamen geblieben ist, »wir hätten gerne etwas bestellt. Bitte eine Thunfisch-Pizza und eine Salami-Pizza ins Motel Route-66. Apartment 3.« Er wird kurz ruhig. Dann lacht er, »Ja, sie haben recht. Ziemlich unsauber hier. Hier will man nichts essen.« Als er aufgelegt hat schaut er mich grinsend an, »Dauert etwas. Zirka 45 Minuten.«

»Ist okay!«, sage ich und lache. »Wir scheinen nicht die Ersten zu sein, die hier auf Nummer sicher gehen und sich etwas von Auswärts bestellen.«

Während ich quassle, steht er auf und kommt auf mich zu. Er hat es aber gar nicht auf mich abgesehen, sondern angelt sich nur die Fernbedienung für den uralten Röhrenfernseher. Schaltet ihn ein. Zappt durch die Kanäle, bis er Nachrichten findet. Als er fündig wird, setzt er sich neben mich. Der Banküberfall kommt zwar darin vor, aber sie haben kein Bild von ihm, auf dem man ihn deutlich erkennen kann. Die Kamera in der Bank war so hoch oben angebracht, dass man praktisch nur auf sein Capi schaut. Auch ich bin aus der Vogelperspektive nicht sonderlich gut zu erkennen. Gefahndet wir außerdem noch immer nach einem Mercedes SUV.

Man merkt ihm deutlich an, dass er erleichtert ist. Somit ist es nicht verwunderlich, dass er ziemlich entspannt aufsteht und zur Tür geht, als es klingelt.

»Larsson?«, fragt der Pizza-Bote, als er die Tür öffnet.

Erik nickt, greift sich in die Gesäßtasche, holt sein Portemonnaie hervor, kramt zwischen den Münzen herum und drückt ihm anschließend ein ordentliches Trinkgeld in die Hand. Ich sehe zwar nicht, wie viel Trinkgeld Erik ihm gegeben hat, aber ich sehe das freudige Strahlen des Pizza-Boten, der sich zwanzig Mal bedankt, bevor er sich wieder vom Acker macht. Dann kommt er mit den Pizzen zurück und setzt sich wieder zu mir.

»Hau rein!«, sagt er.

Das muss er mir nicht zweimal sagen. Kurz darauf schmatzen wir um die Wette. Als wir fertig sind, kommt noch eine andere Nachrichten Sendung, aber auch hier gibt es noch keinerlei neuen Erkenntnisse. Die Polizei scheint komplett im Dunkeln zu tappen, was sich positiv auf seine Laune auswirkt. Fröhlich grinsend schaltet er den Fernseher aus und sieht mich neugierig an.  »Du oder ich?«, fragt er, als die Mattscheibe schwarz wird.

»Was?«

»Wer zuerst pinkeln geht, oder musst du nicht? Wir sind ja schon seit Stunden unterwegs. Also ich muss und zwar ziemlich nötig, aber ich will ja nicht, dass du dir ins Höschen pillerst. Schließlich hast du kein frisches zum Wechseln mit. Ach, scheiß drauf, Ladies first!«

»Okay!«, sage ich und stehe auf. »Ich muss tatsächlich!«

Das Erik zeitgleich mit mir aufsteht verunsichert mich. Vielleicht will er sich ja nur kurz das Bad ansehen…, beruhige ich mich. Da es außer der Tür nach draußen nur noch eine weitere Tür gibt, ist die Frage wo es lang geht überflüssig. Ich gehe vor und öffne die Tür. Wir gehen zusammen herein. Das Duschklo ist mit hässlichen ockerfarbenen Fliesen, die mich spontan an Baby Durchfall erinnern, gefliest. Es macht beinahe den Eindruck, als wären wir zurück in die Achtziger gereist. »Zumindest bleiben sie sich im Einrichtungsstil treu!«, sage ich prustend.

»Hier hilft nur noch abreißen und neubauen!«, antwortet Erik.

»So, wenn du mich jetzt bitte in Ruhe pillern lassen würdest, wäre ich dir sehr dankbar«, sage ich.

Erik deutet mit der Pistole auf das kleine Milchglasfenster. »Damit du hinausklettern und weglaufen kannst. Vergiss es!«

»Erik, ich werde nicht weglaufen. Versprochen!«

»NEIN!«, knurrt er. Seine tiefe Stimme geht mir durch Mark und Bein. Ich verzichte instinktiv auch jegliche weitere Diskussion und knöpfe meine Jeans auf.

»Würdest du wenigstens«, will ich fragen.

»Nein!«, unterbricht er mich barsch. »Vielleicht ist das für lange Zeit die letzte«, dann stoppt er.

»Pussy, die du zu sehen bekommst?«, frage ich, obwohl ich weiß, dass er genau das sagen wollte.

Er nickt.

Ich schlucke, streife meine Jeans vor seinen Augen bis zu den Knien herunter.

»Und jetzt das Höschen!«, brummt er beinahe gerührt. »Bitte!«

Zwar kostet es mich Überwindung, aber irgendwie kann ich ihm den Wunsch nicht abschlagen. Selbst, wenn er keine Waffe in der Hand halten würde. Während ich mein Höschen langsam herunterziehe, steigt mir die Schamesröte ins Gesicht.

»Du musst dich vor mir nicht genieren«, flüstert er, »und du brauchst auch keine Angst haben. Ich werde dich nicht anfassen und ich werde dich auch nicht vergewaltigen.«

»Das weiß ich!«, antworte ich reflexartig. Ich weiß auch nicht, woher ich das weiß. Ich weiß es einfach. »Darf ich mich jetzt setzen?«

»Ja, natürlich«, kommt die Erlaubnis.

Ich setze mich auf die Klobrille und bin etwas erschüttert, weil er immer noch keine Anstalten macht, zumindest ein paar Schritte zurückzugehen. »Hallo?«, frage ich.

»Lass dich nicht stören.«

»Aber es stört mich. Ich kann nicht, wenn mir jemand dabei zuschaut.«

»Dann werden wir hier wohl noch eine Weile sein«, antwortet er und lacht laut und dreckig.

»Echt jetzt, du stehst auf pinkelnde Frauen?«

»Keine Ahnung!«, antwortet er. »Ich habe bisher noch nie dabei zugeschaut. Aber auch hier denke ich mir. Wer weiß, wann und ob ich überhaupt noch einmal die Gelegenheit bekommen werde.«

»Wir sind hier in Deutschland!«, erkläre ich. »Hier kriegt ein Kinderschänder sogar eine Bewährungsstrafe.«

»Stimmt. Kinderschänder kommen hier glimpflicher davon. Dabei finde ich, dass die paar tausend Euro niemanden wirklich geschadet haben. Eine Kinderseele hingegen, ist danach im Arsch. Ich finde, hier sollte die Strafe deutlich höher liegen, als bei Bankraub.«

»Genau genommen hast du die Bank ja gar nicht ausgeraubt. Du hast dich nur des mehrfachen bewaffneten Raubüberfalls strafbar gemacht. Wenn da jede Person als einzelne Straftat gewertet wird, dann…«

»Sei still!«, unterbricht er mich wieder. »Ich will das nicht hören! Und jetzt, lass laufen…«

Er starrt mir auf die geöffneten Schenkel, hat meine Pussy voll im Blick. Scheiße, fühle ich mich beobachtet. Ich drücke. Drücke, aber es kommt nichts.

»Wie macht ihr das denn zuhause?«, will er wissen.

»Wie meinst du das?«

»Ja, wenn dein Freund sich zum Beispiel morgens rasiert oder so und du ins Bad musst. Schickst du ihn dann auch raus?«

»Nein«, antworte ich überlegend, »eigentlich nicht. Aber, der schaut mir dabei auch nicht so aufdringlich zwischen die Beine.

»Was hältst du davon. Ich mach kurz meine Augen zu, bis du pinkeln kannst und dann schaue ich erst wieder hin?«

»Was hältst du denn davon. Du schaust einfach weg, bis ich fertig bin. Ich kann ja verstehen, dass du gern noch einmal eine Pussy sehen willst, bevor du verhaftet wirst. Aber, mir wäre es lieber, wenn du meine Pussy ohne Pipi in Erinnerung behalten würdest.«

»Kein Problem!«, antwortet Erik dann höflich, macht drei Schritte rückwärts und dreht sich sogar zur Seite.

Als ich fertig bin und meine Muschi abgeputzt habe, ziehe ich mich wieder an. »Ich gehe mal davon aus, dass ich auf dich warten soll?«, frage ich leicht provozierend.

»Blöde Frage!«, faucht er und sieht mich funkelnd an. Jetzt knöpft er seine Jeans auf. Zieht sie vor meinen Augen herunter. »Willst du dich nicht umdrehen?«, fragt er immer noch angriffslustig.

»Nein, warum sollte ich?«

»Weil du einen Freund hast!«, kontert er.

»Das hat dich andersherum auch nicht gestört!«, lache ich. »Kannst du etwa nicht, wenn ich dir dabei zuschaue?«

»Weiß ich nicht. Ich gehe jedoch davon aus, dass ich mich ab morgen oder übermorgen ohnehin dran gewöhnen muss, dass ich vor anderen Leuten auf die Toilette muss.«

»Wahrscheinlich!«

Wir fangen gleichzeitig an zu lachen. Dabei schaue ich achtlos hinunter und sehe mir seinen Schwanz an. Als mir bewusst wird, was ich gerade tue, schaue ich schnell wieder hoch in sein Gesicht. Ich sehe ihm an, dass er sich insgeheim still und heimlich ins Fäustchen lacht. Bäm, denke ich, erwischt!, und spüre, wie ich noch roter werde. »Komm schon, jetzt stell endlich deine Stange Wasser in die Ecke und dann lass uns schlafen gehen!«, lenke ich schnell ab. »Ich gehe davon aus, dass du morgen zeitig weiter willst, oder?«

»Ja, wir«, sagt er betont, »WIR wollen morgen früh aufbrechen.«

Und dann höre ich es plätschern und schaue zur Seite.

»Wer schläft wo?«, frage ich und schaue auf das große Bett, in der Hoffnung, dass er sagt, er schläft auf dem Sessel.

»Wir schlafen beide im Bett!«, antwortet er und holt zwei breite Kabelbinder aus seiner Hosentasche.

»Es ist ja groß genug!«, sage ich und versuche damit eher mich selbst zu beruhigen, als ihn zu bestätigen.

»Willst du so schlafen gehen?«

Während er noch auf meine Antwort wartet, fängt er bereits an sich auszuziehen. Schuhe, Hose, Hoodie, Strümpfe und sogar seine Boxershorts legt er ordentlich zusammen, und legt sie auf einen Stapel vor seiner Bettseite.

»Du schläfst untenherum nackig?«, frage ich etwas empört.

»Ja«, antwortet er. »Tut mir leid. Ist so in mir drin. Ich kann mit Schlüpfer nicht gut schlafen.«

Ich ziehe eine Augenbraue hoch und schaue ihn ungläubig an.

»Ehrlich. Du brauchst dich nur einmal herumzudrehen. Und dann sitzt sie nicht mehr. Irgendwas klemmt. Ich hasse es einfach. Ich habe dir doch versprochen, dass ich dich nicht anfassen werde!«, beteuert er vehement. »Das ist auch keine blöde Masche. Wirklich!«

»Gut«, sage ich. Zwar bin ich immer noch nicht ganz überzeugt, aber selbst wenn, was sollte ich dagegen tun. Er hat eine Waffe. »Ich versuche dir zu glauben!«, sage ich und ziehe mich ebenfalls aus. Höschen und Unterhemd lasse ich jedoch an. Kurz darauf bindet er einen Kabelbinder um mein linkes Handgelenkt. Ratschend zieht er es so straff, dass es mir unmöglich ist, mein Hand daraus zu befreien. Mein Herzschlag wird schneller. Mein Puls beschleunigt sich. Obwohl ich die ganze Zeit schon nicht frei war, komme ich mir jetzt jedoch so richtig gefangen vor. Als er den zweiten Kabelbinder durch meinen zieht und ihn sich dann ebenfalls am linken Handgelenk festzurrt, habe ich gänzlich das Gefühl, dass sich eine unsichtbare Schlinge um meinen Hals gelegt hat und so fest zugezogen wurde, dass ich kaum noch Luft kriege.

»Geht es dir nicht gut?«, fragt er besorgt. Erik hat sofort wahrgenommen, dass etwas nicht stimmt.

»Ich fühle mich so… so… eingeengt«, stammle ich. »Ich glaube, ich habe eine…«

»Panikattacke!«, spricht er es aus, als ich hektisch nach Luft schnappe. Er nimmt mich von hinten in den Arm. »Ganz ruhig. Dir wird nichts passieren. Wir schlafen jetzt und morgen früh mach ich dich wieder los. Versprochen!«

Seine Hände tun gut. Ich merke wirklich, dass er mich beruhigt. Langsam, aber nur ganz langsam lehne ich mich leicht zurück in seine starken Arme und schließe die Augen. Ich versuche ruhiger zu atmen. Aber warum beruhigt mich seine Nähe? Eigentlich müsste ich doch gerade wegen ihm Angst haben?

»Gut so!«, wispert er und wartet, bis ich wieder halbwegs normal Luft hole und nicht mehr aussehe, wie ein Fisch auf dem Trockenen. »Jetzt, musst du als erstes in Bett krabbeln. Ich rutsche hinter dir her«

Ich krabble, wie er es mir gesagt hat ins Bett. Er folgt mir dicht. Da unsere Hände aneinander sind muss ich mich entscheiden. Will ich meine Hand nach hinten strecken, was alles andere als bequem ist, oder will ich seine Hand auf meiner Taille spüren. Ich entscheide mich für seine Hand auf meiner Taille. Dabei rutscht er so nah an mich heran, dass ich seinen Penis gegen meinen Hintern drücken spüre. Gut, dass ich mein Höschen noch anhabe. Vielleicht schützt es mich wie ein Moskitonetz vor ungewollten Stichen.

Es dauert nicht lange, da höre ich ihn bereits schnarchen. Nur ich, ich kann noch nicht einschlafen. Meine Gedanken kreisen noch um den Tag. Er war ziemlich aufregend. Wenn ich mir überlege, was mir heute alles passiert ist. Hätte mir jemand anderes davon erzählt, ich hätte bestimmt gefragt: Bist du nicht vor Angst gestorben? Aber, wenn ich ehrlich bin. So wirklich Angst, hatte ich nur im ersten Moment. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie war ich mir von Anfang an sicher, dass er mir nichts tun wird und das glaube ich auch jetzt noch. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass er mich morgen früh wieder losmachen wird und ich dann – nachdem ich bei der Polizei meine Aussage gemacht habe – wieder nach Hause gehen darf. Meine Freunde und Familie. Meine Kollegen und Bekannten werden mich anrufen und ich habe seit Ewigkeiten mal wieder etwas spannendes zu erzählen. Und während mir diese ganzen Gedanken durch den Kopf gehen, fange ich breit an zu grinsen. Eigentlich, eine willkommene Abwechslung.

Auf meiner Seite vom Bett steht auf den Nachtisch eine uralter Radiowecker. In dunkelroten Ziffern sehe ich, wie die Zeit verstreicht. Langsam. Kriechend. Ich bin noch total aufgedreht. Immer wieder schaue ich auf den Wecker und beobachte, wie sich die Ziffern ändern. Nach über einer Stunde habe ich immer noch kein Auge zugekriegt und überlege, was ich dagegen unternehmen würde, wenn ich jetzt zuhause wäre. Ich muss schmunzeln, denn die Antwort auf die Frage ist ziemlich einfach. Ich würde mir einen Vibrator aus der Schublade meines Nachtisches herausholen und es mir neben meinem Freund selber machen. Der schläft so fest, dass er dabei ohnehin nicht aufwacht. Dabei male ich mir heiße Fantasien aus. Mal, einen Dreier mit einer anderen Frau. Mal, zwei Männer, die es mir besorgen. Manchmal, ist mein Freund einer davon. Manchmal aber auch nicht. Da habe ich dann in meiner Fantasie Lust auf fremde Haut. Fremde Schwänze. Nachdem ich meine Pussy zum Zucken gebracht habe, klappt es dann meist ziemlich schnell mit dem einschlafen. Beinahe wie ein Kerl!, denke ich und kann mir ein leises Kichern nicht verkneifen. Aber hier wird das nicht gehen. Zum Einen, weil meine linke Hand an seine gefesselt ist und zum Anderen, weil er sich so dicht an mich gekuschelt hat, dass seine Eichel gegen meinen Po drücken spüre. Wenn ich es mir jetzt selber mache und anfange mein Becken zu bewegen, was ich eigentlich spätestens kurz vorm Höhepunkt automatisch machen werde, wird der aufwachen. Nein, dass geht nicht. ›Und wenn du nur ein ganz kleines bisschen an dir herumspielst?‹, höre ich meine Lust feilschen. ›Du kannst ja aufhören, wenn er sich bewegt. So, wie du es zuhause auch machen würdest. Marius hat dich doch auch noch nie erwischt. Warum sollte dich Erik erwischen?‹

›Und wenn du ihn damit auf dumme Gedanken bringst und er dich anschließend vergewaltigt?‹, mischt sich die Ratio ein.

›Ich glaube nicht, dass Vergewaltigung hier das richtige Wort ist. Ihr gefällt es nämlich, seine Schwanzspitze zu spüren.‹, neckt meine Libido die Ratio. ›Ich glaube, sie wäre einem Fick mit ihm nicht abgeneigt!‹ Meine Ratio ist eingeschnappt und versteckt sich in einer dunklen Ecke meines Verstandes und meine Lust nutzt die Chance. ›Heb einfach dein Bein ein kleines Stückchen an und spiel ein bisschen an deinem Kitzler herum. Du hörst doch an seinem Atem, wenn er wach wird!

Meine Lust hat recht. Bei Marius, meinem Freund, höre ich es sofort. Wenn er schläft, atmet er ganz ruhig und langsam. Wenn er wach wird, grunzt er meist vorher, oder er hustet. Manchmal verschluckt er sich auch an seiner Spucke. Ich höre es wirklich immer, wenn er im Begriff ist aufzuwachen. Und, wenn er aufwacht, ist er dann schlaftrunken und bis er klar genug im Kopf ist, um zu verstehen, was ich tue, habe ich schon dreimal aufgehört.

»Kannst du nicht schlafen?«, fragt Erik überraschend und erschreckt mich so, dass ich leicht zusammenzucke.

»Nein, ich bin so aufgedreht, dass ich kein Auge zubekomme!«, antworte ich und lasse mein Bein, dass ich gerade schon ein Stückchen angehoben habe, wieder auf das andere sinken.

»Ich weiß!«, kommt es von Erik. »Versuch jetzt trotzdem zu schlafen. Der Wecker klingelt gleich schon wieder…«

›Frag ihn doch einfach, ob er Lust hat, dich müde zu ficken?‹, schlägt meine Libido vor.

»Ich werde es versuchen!«, antworte ich und hasse mich selbst dafür, dass ich so feige bin.

Natürlich gelingt es mir nicht sofort, aber irgendwann, nach einigen Malen hin und her wälzen, schlafe ich irgendwann ein.

»Wach auf, wir müssen weiter!«, werde ich unsanft geweckt. Erik hat dabei seine Hand auf meine Schulter gelegt und rüttelt an mir. »Lilly, aufwachen!«

»Bin ja schon wach!«, stammle ich und versuche meine müden Augen aufzubekommen. Es ist noch dunkel. »Wie spät ist es?«

»Kurz nach sechs.«

»Warum eigentlich so früh?«, frage ich neugierig.

»Warum nicht?«, bekomme ich eine unzureichende Antwort.

Wir stehen zusammen auf. Er zieht mich zu seiner Bettseite und bückt sich nach seinen Anziehsachen. Fischt ein Taschenmesser aus seiner Hosentasche, klappt es auf und schneidet die Kabelbinder durch. Ich umfasse mein Handgelenk und reibe die Stelle, an denen der Kabelbinder gedrückt und bei Bewegungen etwas gescheuert hat. Es fühlt sich unfassbar gut an, wieder frei zu sein. »Los, zieh dich an!«

Keine fünf Minuten später sitzen wir in seinem Wagen.

»Wo geht es denn eigentlich hin?«, erkundige ich mich.

»Wenn ich dir sagen würde, müsste ich dich umbringen!«

»Musst du nicht. Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich nicht verraten werde Erik.«, antworte ich und bin selbst in wenig überrascht, denn ich habe es ernst gemeint.

»Das klang nach der Wahrheit…«, stellt auch Erik verblüfft fest. Er legt einen Gang ein und fährt los. »Gestern hättest du mir alles erzählt, damit ich dich wieder frei lasse, aber irgendwas hat sich seitdem verändert.

Wahrscheinlich seit ich seine Schwanzspitze an meinem Po gespürt habe, denke ich und ärgere mich immer noch, dass ich mich nicht getraut habe den Mund aufzumachen und ihn zu bitten, mich zu ficken. Während er schweigt, überlege ich. Einige Minuten später sage ich, »Ich glaube, es liegt daran, dass es mit dir spannend ist.«

Er schaut mich neugierig an. »Wie meinst du das?«, fragt er und biegt auf die Landstraße.

»Weißt du, seit Jahren ist nichts Spannendes mehr in meinem Leben passiert. Jeden Tag das Gleiche. Den ganzen Tag über arbeiten. Abends kochen. Mit Schatzi auf der Couch liegen. Fernsehen. Irgendwann ins Bett. Am Wochenende eventuell mal shoppen gehen. Abends vielleicht irgendwo essen gehen. Und selbst dort hat man schon feste Rituale. Immer wieder die gleichen Restaurants und mehr oder weniger essen wir dort auch immer das Gleiche. Es ist langweilig. Wenn ich mir vorstelle, dass das die nächsten vierzig Jahre so weiter geht, wird mir schlecht. Und dann kommst du und plötzlich ist alles spannend. Du überfällst eine Bank. Nimmst mich als Geisel. Flüchtest mit mir und irgendwie fühle ich mich ein bisschen, wie in Bonnie und Clyde und es gefällt mir.«

»Es gefällt dir?« Er lacht laut. »Du bist nicht ganz dicht!«

»Mag sein, aber es ist so. Es gefällt mir. Der Nervenkitzel. Die Aufregung. Es macht mich an!«

»Es macht dich an?« Sein Lachen bekommt einen dreckigen Beigeschmack.

»Ja, es macht mich tierisch an. Als du gestern hinter mir gelegen hast und ich nicht einschlafen konnte, habe ich mir gewünscht, dass du mich fickst!«

Er knurrt böse. »Was hätte denn dein Freund dazu gesagt?«

»Wen interessiert’s?«

Habe ich das echt gesagt? Ich schäme mich ein bisschen, aber es ist die Wahrheit. Jetzt gerade interessiert es mich nicht wirklich. Ich will gerade den Mund aufmachen und etwas sagen, als Erik nicht unterbricht.

»Die Bullen sind hinter uns!«

»Echt jetzt?«, frage ich hektisch und drehe mich um. Tatsächlich. Hinter uns ist ein Streifenwagen. »Das kann Zufall sein!«, sage ich. »Fahr ganz normal weiter.«

»Ich versuche es!«, sagt Erik. Er klingt erstaunlich gelassen. Ich vermute jedoch, dass er sich zusammenreißt und mir nicht zeigen will, das er ebenfalls nervös ist.

Mein Puls beschleunigt sich. Mein Herz beginnt zu rasen. Ich atme schneller.

»Lilly, zieh deine Jeans aus!«, fordert Erik.

»Was?«, frage ich irritiert.

»Wenn sie wissen, dass ich es bin und uns wirklich verfolgen, dann will ich noch einmal eine Pussy berühren, bevor ich verhaftet werde!«

Ich überlege kurz. Schnalle mich dann ab, öffne meinen Gürtel und knöpfe die obersten drei Knöpfe meiner Jeans auf. Schiebe die Jeans und meinen Slip zugleich bis zu den Knien herunter. Dann setzt ich mich wieder auf den Sitz und öffne meine Schenkel. »Schau nach vorn!«, sage ich, greife nach seiner Hand und führe sie zwischen meine Schenkel. Er legt seine Hand flach auf meine Pussy. Sein Mittelfinger liegt genau auf meiner Spalte. Er knickt ihn leicht ab und gleitet sanft in meine Pussy.

»Du bist ja feucht?«, raunt er erstaunt.

»Ich war seit gestern Nacht nicht mehr trocken!«, antworte ich und schnappe jauchzend nach Luft.

Erik zieht auch noch den Ringfinger nach und taucht mit zwei Fingern in mich. Ich schiebe meinen Schoß etwas weiter nach vorne, um es ihm ein bisschen leichter zu machen. Lustvoll, fängt er an mich zu fingern. Sein Blick wechselt. Er schaut stur nach vorne auf die Straße, vergewissert sich aber immer wieder im Rückspiegel, ob die Polizei uns noch an den Fersen heftet. »Sie sind hartnäckig. Ich glaube nicht, dass sie rein zufällig hinter uns herfahren«, sagt er leicht besorgt.

Ich greife mir selbst zwischen die Beine und lege meine Hände auf seine Hand. Drücke seine Finger tiefer in mich. »Besorg es mir!«, flüstere ich erregt.

»Habe ich nicht vor!«, antwortet Erik heiser, als das Polizeiauto zum überholen ausschert und sich vor uns setzt.

Kurz darauf leuchtet in Rot ›Bitte folgen‹ auf.

»Scheiße!«, zischt Erik und drückt seine Finger kraftvoll in mich.

Ich stöhne erregt.

Langsam zieht Erik seine Finger aus mir heraus und wird zusammen mit dem Polizeiwagen langsamer. Er setzt den rechten Blinker, fährt rechts ran und schaltet den Motor aus. »Zieh die Jeans vorsichtig wieder hoch!«, sagt er.

»Nein!«, antworte ich. »Lass uns etwas versuchen!«

»Okay«, flüstert er und drückt auf den Knopf, der die Scheibe herunterfahren lässt.

Ich streife meine Schuhe nacheinander mit den Zehen ab und ziehe meine Jeans ganz aus.

»Ist jetzt auch egal. Sie haben mich!«

Ich sehe einen Polizisten aussteigen und auf uns zukommen. Schnell ziehe ich auch noch mein Höschen aus, knülle es zusammen und verstecke es in meiner linken Hand.

»Fahrzeugkontrolle!«, sagt er kurz darauf. Erik beugt sich zur Scheibe und schaut aus dem Fenster.

»Personalausweis, Führerschein und Fahrzeugpapiere«, fordert der Polizist und bückt sich zu uns herunter. »Bitte auch von Ihnen, junge Frau!«, fügt er an und schaut mir in die Augen. Erst auf den zweiten Blick merkt er, dass ich untenherum nackt bin.

Ich muss meine Verlegenheit nicht spielen. Die Schamesröte steigt mir ins Gesicht und verlegen Antworte ich, »Entschuldigen Sie Herr Wachtmeister, Sie haben uns beim Fummeln erwischt!«

Er räuspert sich. »Ja, dass glaube ich aber auch!«

»Mir ist das sehr unangenehm.« Ich schaue ihn mit großen Kulleraugen und dem Blick an, der mir schon als Kind bei meinem Vater so manches Mal aus der Patsche geholfen hat. »Könnten Sie nicht eventuell ein Auge zudrücken und uns mit einer Verwarnung davonkommen lassen?«

»Mhmm….«, macht er nachdenklich.

Ich strecke ihm meine linke Hand entgegen. »Sie dürfen das hier auch als kleines Dankeschön behalten.«

Er schaut sich nach seinem Kollegen um, der ebenfalls ausgestiegen ist und mit der Hand am Funkgerät auf weitere Anweisungen wartet. Er überlegt noch kurz und wartet. Dann streckt er seine Hand ein Stückchen in das Fahrzeuginnere. Ich lege ihm mein zusammengeknülltes Höschen in die Hand und er lässt es schnell in seiner Hosentasche verschwinden. Kurz darauf dreht er sich zu seinem Kollegen und sagt, »Alles in Ordnung!« Steckt anschließend noch einmal den Kopf ins Fahrzeuginnere und sagt, »Dieses Mal belasse ich es bei einer mündlichen Verwarnung. Dass nächste Mal jedoch, werde ich nicht so gnädig sein! Wünsche gute Weiterfahrt!« Flüsternd, so dass es sein Kollege nicht hören kann fügt er an, »Und wenn wir gleich weg sind, ziehen Sie umgehend Ihre Jeans wieder an. Ich will Sie nicht noch einmal anhalten müssen!«

»Verstanden!«, sagen wir beide zeitgleich, wie aus der Pistole geschossen und Erik drückt auf den Fensterheber.

Als die beiden Polizisten wieder einsteigen und losfahren, fangen wir schallend an zu lachen. »Scheiße, war das knapp! Ich hab mich schon auf deren Rückbank sitzen sehen«, kommt es lachend über seine Lippen. Er will gerade wieder den Motor starten, als ich seine Hand wegnehme und sage, »Nicht so schnell!«

»Was denn?«, will er wissen.

Ich schüttle den Kopf. »Männer!«

Er sieht mich ahnungslos an und zuckt mit den Schultern.

Ich beuge mich zu ihm herüber, öffne den Reißverschluss seiner Jeans und schiebe gierig meine Hand hinein. Schnell finde ich den Saum seiner Boxershorts, ziehe sie an diesem herunter und schnappe mir seinen halbharten Schwanz. Mit weit aufgerissenen Augen schaut er mir ungläubig dabei zu, wie ich seinen Schwanz heraushole. Sein bestes Stück ist ganz glitschig. Ihn muss das Fingern vorhin so geil gemacht haben, dass er selbst ausgelaufen ist. Dermaßen nass, wie er ist, hat es sicherlich einige fette Lusttropfen gebraucht. Ich grinse und freue mich, dass das Fingern scheinbar nicht nur mir Freude bereitet hat. Dann senke ich meinen Kopf und nehme ihn in den Mund. Binnen Sekunden wächst er wieder zur vollen Größe. Ich sauge kräftig an ihm und streiche mit meiner Zunge immer den kleinen Schlitz auf seiner Schwanzspitze. Recht schnell bringe ich ihn zum Stöhnen.

»Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet!«, grunzt er erregt. »Du überraschst mich immer wieder!«

Anstatt mich zu bedanken, sauge ich noch fester an seiner Eichel, die immer härter und praller wird. Der Sabber läuft mir an den Mundwinkeln herunter und ich schmatze laut. Als ich das Gefühl habe, dass er nun nicht mehr härter werden kann, greife ich mit der rechten Hand in den Fußraum und fische nach dem Hebel, der den Sitz nach hinten gleiten lässt. Ich werde fündig. Polternd saust der Sitz nach hinten und er erschrickt sich kurz. Ich kichere und richte mich auf. Stütze mich auf der Mittelarmkonsole ab und klettere hinüber zu seinem Sitz. Bevor er überhaupt so richtig realisiert hat, was ich tue, sitze ich kniend auf seinem Sitz. Er zwischen meinen Schenkeln unter mir. Ich drehe mich ein wenig zur Seite, greife mit der rechten Hand nach seinem Schwanz und führe ihn zur meiner Spalte. Dann sehe ich ihm tief in die Augen und lasse mich ganz langsam auf seinen Schoß sinken. Genieße das Gefühl, wie er sich in mich schiebt und mich ausfüllt. Genieße es zu beobachten, wie er sich lustvoll auf die Unterlippe beißt und zufrieden mit den Augen rollt. Einem Moment lang verharre ich und genieße das tiefe Gefühl der Verbundenheit. Das geile Gefühl des kompletten Ausgefülltseins. Erst danach lege ich ihm meine Hände auf die Schultern und fange an ihn zu reiten. Mit einem kräftigen Hüftschwung stoße ich mein Becken vor. Meine nasse Pussy schmatzt erregt und freudig fange ich an ihn zu ficken. Binnen weniger Beckenstöße bringe ich ihn erneut zum Stöhnen. »Gefällt dir das?«, frage ich grinsend.

»Oh ja!«, raunt er. »Und wie! Ich wollte schon immer mal Sex im Auto ausprobieren…«

Er umfasst mich. Führt seine Hände um meinen Po herum. Er hat enorme Kraft in den Händen. Schiebt mich spielend leicht mit wippenden Fingerspitzen härter auf sich. Unterstützt mich dadurch bei meinem Ritt. Ich spüre, wie der Wagen zu schaukeln anfängt. Höre, obwohl er nicht gerade leise stöhnt, ein freches quietschen. Höre Benzin, das hin und her schwappt. Und wir, wir stehen direkt an der Straße. Ich höre Autos an uns vorbeifahren. Die Landstraße ist zum Glück nicht sonderlich viel befahren. Jedoch manchmal halten Autos hinter uns an, wenn von vorne Gegenverkehr kommt. Dann sehen die Fahrer, dass unsere Kiste am Schaukeln ist und sie hupen, wenn sie an uns vorbeifahren. Aber mir ist es egal und ihm scheinbar auch. Wir ficken einfach weiter. Hin und wieder lasse ich mich auch leicht nach hinten fallen. Komme dabei mit dem unteren Rücken gegen das Lenkrad und hupe selbst. Lache kurz. Beuge mich wieder vor und mache weiter.

»Sag mir, dass ich dich gut ficke Clyde!«, stöhne ich und spüre, wie ich dem Orgasmus näher komme.

»Bonnie, hört auf zu quatschen und fick mich weiter du geiles Stück!«, stöhnt er zurück und spielt mit. Feuert mir dabei eine Salve von geilen Geräusche um die Ohren. Stöhnen, knurren, brummen, keuchen. Alles dabei. Für mich ein Novum. Meine vorherigen Freunde waren alle eher still und leise. Er hingegen lässt seine Lust heraus. Lässt mich teilhaben. Lässt mich hören, wie geil ich es ihm besorge. Jedes Mal, wenn er lustvoll knurrt läuft mir ein Schauer der Lust den Rücken hinunter.

»Clyde, mir kommt es gleich…«, warne ich ihn vor.

Er umfasst meine Hüfte. Hebt mich hoch, als wäre ich kinderleicht und drückt mich dann kraftvoll auf seinen harten Schwanz. Hebt mich daraufhin erneut hoch und drückt mich noch härter auf sich. Bei der dritten Wiederholung kommt es mir. Ich explodiere auf ihm, aber er hört nicht auf. Ich schreie meinen Orgasmus laut hinaus, strecke meinen Rücken durch, bäume mich auf ihm auf, aber er denkt nicht dran aufzuhören. Hebt mich immer wieder an und rammt mich, und meine in Ekstase zuckende Pussy, wieder und wieder brachial auf seinen Riemen. Erst, als er ebenfalls laut schnaubend explodiert, hört er auf und drückt mich mit aller Kraft auf seinen Schoß. Ich spüre ihn so wahnsinnig tief in mir. Spüre ihn zucken. Spüre, wie er sein heißes Sperma in mich pumpt, während sich meine Pussy immer noch rhythmisch zusammenzieht und sein bestes Stück gierig bis zum letzten Tropfen abmelkt.

Ich bleibe ihm Hohlkreuz und warte, bis wir beide zur Ruhe kommen. Wir schwitzen. Sind total aus der Puste. Die Abstände, in denen sein Schwanz zuckt, werden größer. Die meiner Pussy ebenfalls.

»Scheiße, gehst du immer so ab?«, fragt er neugierig keuchend und nach Atemluft ringend.

»Ehrlich gesagt, nein!«, gebe ich zu und fange an zu lachen. »Und du?«

»Nein!«, antwortet er. »Ehrlich gesagt war mein Sexualleben in den letzten Jahren alles andere als Spektakulär. Vielleicht sollte ich öfters eine Bank überfallen und vor der Polizei fliehen!«

»Da könntest du durchaus recht haben!«, sage ich und kuschle mich an ihn. Spüre, wie sein Schwanz aus mir herausflutscht. Ich lege meinen Kopf auf seine Brust. »Wir könnten das ja zusammen machen!?«, schlage ich vor und lausche seinem Herzschlag, der plötzlich anfängt zu rasen.

»Auf keinen Fall!«, höre ich ihn sagen. »Es reicht schon, dass ich mein Leben versaut habe, aber ich werde dich nicht mit mir in die Tiefe reißen!« Er streicht mir mit einer Hand über den Kopf. »Ich werde dich am nächsten Bahnhof rauslassen. Vielleicht bist du so lieb und gibst mir ein, zwei Stunden Vorsprung, bevor du die Polizei rufst.«

»Erik«, flüstere ich. »Ich will nicht die Polizei rufen. Ich will auch nicht am nächsten Bahnhof rausgelassen werden. Ich will mit dir gehen!«

»Nein!«, sagt er laut und eindringlich, »So gerne ich das auch möchte, aber ich muss dich vor einem riesigen Fehler bewahren Lilly!«

»Bonnie!«, sage ich. »Ich bin alt genug Clyde, um meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Lass mich deine Bonnie sein. Lass uns zusammen zum nächsten Flughafen fahren und zusehen, dass wir einen Flug nach Thailand kriegen. Indonesien soll auch schön sein. Kuba. Irgendwo, wo es warm ist und die Sonne scheint«, sage ich und eröffne ihm neue Alternativen.

»Du meinst, wir legen uns auf Bali an den Strand und ficken uns die Seele aus dem Leib, während wir im Sonnenuntergang neue Pläne zusammen schmieden?«, antwortet er spottend und ich merke, dass er mich nicht für voll nimmt.

Ich sehe ihn todernst an. »Genau, was hast du schon zu verlieren? Wenn sie dich erwischen, gehst du ohnehin in den Knast.«

»Richtig, ich gehe in den Knast«, antwortet er betont, »aber du nicht und das ist mein letztes Wort!«

»Nein!«, antworte ich und bleibe standhaft. »Ich bin erwachsen und alt genug, um meine eigenen Entscheidungen zu treffen!«

»Nein, Lilly. Ich diskutiere nicht mit dir. Ich lasse dich am nächsten Bahnhof raus und dann trennen sich unsere Wege.«

»Nein!«, wiederhole ich. »Ich werde mit dir mitkommen, außer…«

Er sieht mich nachdenklich an. »Außer was?«

»Außer, du sagst mir, dass es dir nicht gefallen hat. Sag mir, dass du unseren Sex total scheiße fandest und das du nicht noch einmal mit mir ficken möchtest, denn ja, genau das würden wir tun. Wir würden fliehen. Irgendwo am Strand liegen und uns die Seele aus dem Leib vögeln, wie du so schön gesagt hast. Wir würden es überall tun. Vielleicht erwischen sie uns, vielleicht aber auch nicht. Sag mir ehrlich, dass du lieber alleine wärst, als mit mir gemeinsam zu fliehen!«

Er überlegt. Ich starre auf seine Lippen. Warte, auf den Moment, wo er den Mund aufmacht, um etwas zu sagen. Und dann, ein paar Minuten später, holt er tief Luft. Mein Herz rast. Bitte, sag mir, dass du mich mitnehmen willst!, bete ich und klebe an seinen Lippen.

»Lilly!«, fängt er an und ich klebe an seinen Lippen…

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13 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Oh doch ich lese deine Geschichten
Und ich mag sie fas alle.
Diese hat mir auch sehr gut gefallen und ich fand sie nicht zu lang! Aber ich bin auch schnell beim lesen besonders wenn es Spaß macht
Ich hoffe ja auch immer meinen Vorschlag Mal von dir zu lesen ☺️
Liebe Grüße und bitte weiter machen!!!
Ach was die Quickie’s betrifft warum sollten die nicht auch ins Lusttagebuch? Ist doch wie im Leben mal so mal so das bringt Vielfalt

Antworten

Eine tolle Geschichte lieber Ben, so schön Kopfkino anregend.
Die Gedanken schweifen so in die Richtung, wie es wohl weiter gehen würde.
Setzt er sie ab?
Oder aber begleitet sie ihn bei seiner Reise?
Oder aber lässt er sie frei und kehrt wieder zurück?

Alles ist möglich… einfach herrlich

Ich mag übrigens die langen und die kurzen Geschichten.
Manchmal muss halt einfach mehr zum Hintergrund geschrieben werden, um die Geschichte zu verstehen.

Glg

Antworten

    Ja, diese hier wird auf jeden Fall auch noch weitergehen… Ich hab noch so viel im Kopf… Was passieren soll…

    Außerdem muss ich ja “längere” für das Mrs. Secretary Buch üben…

    Antworten
lifeofdevotion68
15. März 2018 07:30

Danke für die feuchten Finger am frühen morgen *schmunzel* ein guter Start in den Tag.

Du bist schon eine Versuchung wieder öfter online zu gehen. 😉

Antworten

    Feuchte Finger am morgen? Ja, dass klingt klingt wirklich nach einem sehr, sehr angenehmen Start in den Tag!

    Schön dich mal wieder zu lesen!

    Und du weißt doch, Versuchungen soll man nachgeben und auch öfters mal nachgehen… Freue mich, dein Ava wieder hier zu sehen…Ich hoffe, es geht dir gut!

    Mensch, wie viele Jahre kennen wir uns nun eigentlich schon? Du hattest das Ava ja schon damals bei blog.de. Ich frage mich echt, wie lange das schon her ist. Wir kennen uns ja schon, da war ich noch jung. Ein paar und zwanzig…. *seufzt

    Und wir haben es noch nicht hinbekommen, mal einen Kaffee zusammen zu trinken.

    Liebe Grüße,
    Ben

    Antworten
      lifeofdevotion68
      16. März 2018 18:28

      Und der Tag wurde mehr als nur gut – eigentlich war es ein Perfect Day! *lächel

      Mir geht es die letzten Monate ziemlich gut, tiefenentspannt bin ich ja schon seit ca 2 1/2 Jahren aber die letzten Monate geht es mir so gut, das es einem schon fast Angst machen könnte. 😉
      Gut das ich nur noch im Hier und Jetzt lebe und mir kkeine Gedanken darüber mache was kommen könnte – so kann ich einfach nur genießen.

      Hoffe bei dir ist auch alles im grünen Bereich?!

      Problem bei dem ‘mir geht es gut’ – ich ‘kann’ nicht schreiben. 🙄 Meine Geschichten waren immer mehr ein Ventil wenn mir was gefehlt hat. Die, die wir damals auf deinem Blog veröffentlicht haben, war die letzte seither. Das fehlt mir ein bisschen. Vielleicht kommen die Schreibgelüste ja wieder wenn ich öfter hier zum lesen vorbeikomme.

      Boah wir kennen uns schon ewig mein Lieber. Denke mal das werden schon so an die 10 Jahre sein.
      Jung sind wir doch immer noch! Ich bin ja gerade mal seit Mittwoch Version 29.21 und ich denke mal du bist jünger. 😉
      Das mit dem Kaffee ist ja nur aufgeschoben und nicht aufgehoben – irgendwann klappt das, wahrscheinlich ziemlich spontan *lächel.

      Liebe Grüße
      Jacky

      Antworten

        Ja, wir sind immer noch jung. So jung, wie wir uns fühlen und manchmal fühle ich mich immer noch wie 20.

        Dies war zwar nun nicht mein bestes Wochenende, aber im großen und ganzen geht es mir gut und es ist alles im Grünen Bereich. Freut mich auch sehr zu hören, dass du glücklich bist und das es dir gut geht.

        Wünsche dir einen schönen Abend! =)

        Liebe Grüße,
        Ben

        Antworten
bekka - ichwill_so_viel
15. März 2018 11:07

Hallo Ben,

eine schöne Geschichte, die zum Ende hin immer schicker wurde.

Ich freu mich immer, wenn Autoren den Protagonisten Raum und Platz zum entwickeln geben. Mich interessiert nicht nur der Akt, ich möchte wissen, wie sich die Personen fühlen und mir dann anschließend die Frage stellen: Hätte ich an ihrer Stelle auch so gehandelt?

Mach weiter so … ich bin gespannt, wie Lilly sich entscheiden wird. :-*

Antworten

    Vielen Dank für diesen wundervollen Kommentar liebe bekka!

    Ja, ich mag es selbst auch. Beim schreiben liebe ich es. Bei der Geschichte zum Beispiel, hatte ich am Anfang nur das Bild des Banküberfalls im Kopf und ich habe es mir vorgestellt. Jeder Satz hat sich beim Schreiben ohne Plan entwickelt und das hat mir Spaß gemacht. Genau das liebe ich beim Schreiben. Ich stelle es mir vor… Kopfkino… Und die Entwicklung macht so viel Freude. Ich gucke zwar auch gerne gute Filme, aber da muss ich immer das Schlucken, was mir vorgesetzt wird. Beim Schreiben, kann ich mich an jeder Stelle anders entscheiden. Anders reagieren.

    Ich bin selbst gespannt, wie es weitergehen wird. Aber, es wird weitergehen, so viel steht schon einmal fest!

    Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, einen Kommentar zu verfassen.

    Liebe Grüße,
    Ben

    Antworten

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