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Was mir auch aufgefallen ist: die Freunde

Es ist nicht so, dass ich keine Freunde habe, aber – im Vergleich zu mir – sind meine Freunde erst ziemlich spät Eltern geworden. Meine Kids sind schon mitten in der Pubertät und die anderen im Freundeskreis sind jetzt alle noch relativ frisch Eltern. Natürlich dreht sich bei denen jetzt erst einmal alles um die Familie und vermutlich stecken viele in einem ähnlichen Hamsterrad. Tagsüber arbeiten, abends wollen sie dann verständlicher Weise auch noch etwas vom Kind haben und am Wochenende, unternehmen sie hauptsächlich nur noch etwas mit Frau und Kind. Die Paare mit den Kleinkindern unternehmen auch viel zusammen, da die Kids beinahe gleich alt sind. Da meine Kids älter sind, habe ich manchmal das Gefühl, dass ich vergessen werde. Ich passe eben nicht in die illustre Kinderwagen-Runde.

Einen Männerabend, so wie früher zu machen, ist gar nicht mehr so einfach. Ja, beinahe schon fast unmöglich geworden. Wir schaffen es – wenn es hoch kommt – noch einmal im Jahr. Außerdem sind manche (gefühlt) schon ziemlich alt geworden. Nicht körperlich, sondern geistig. Und spießig, sind manche obendrein geworden. Ich hab mal auf dem Balkon eines Freundes das Wort “ficken” gesagt. Er hat sich sofort panisch umgesehen, ob eventuell ein Nachbar auf dem Balkon war, der das gehört haben könnte und dann kam die Moralpredigt: „So etwas sagen WIR nicht mehr!“

Ich habe mir mal die Frage gestellt, wie viel Ben Wilder steckt eigentlich in mir? Und die Antwort ist ziemlich eindeutig. Es gibt nunmal keinen Bruce Banner ohne Hulk. Keinen Dr. Jekyll ohne Mr. Hyde. Ben Wilder ist ein Teil von mir. Ich bin so. Und das ist auch gut so. Ich liebe meine dunkle Seite, aber im Freundeskreis müsste ich mich verstellen. Bei allen? Nein, nicht bei allen, mein bester Freund kennt Ben. Bei ihm darf ich sein, wie ich bin. Ich muss mich nicht verstellen. Und mein Geschäftspartner, der kennt Ben zwar nicht mit Namen, aber er weiß es, dass es eine dunkle Seite gibt. Er weiß auch, dass ich schreibe und auch er akzeptiert mich, wie ich bin.

Bei den anderen Freunden ist mir aber aufgefallen, dass ich gar nicht mehr gerne mit denen weggehe. Gespräche drehen sich immer nur um Arbeit oder Kinder. Vielleicht auch mal über Urlaub, wo sich dann jeder überbieten möchte. So zu sagen, dass „Mein Haus, mein Auto, mein Pferd“ des Mannes in der Midlife-Crisis. Das sind Gespräche, die mich langweilen. Wenn ich dazu eine Einladung bekomme, bleibe ich manchmal sogar lieber zuhause, allein für mich und schreibe eine Geschichte. Das Problem ist aber, dass das ja so gut wie nie vorkommt. Wann habe ich denn mal Zeit für mich. Meistens funktioniere ich ja nur für andere.

Nun hatte ich also seit langem das erste Mal wieder Zeit für mich und wusste nichts damit anzufangen. Wie konnte es nur soweit kommen? Und wieso weiß ich nicht mehr, was ich tun kann?

Ich habe mir die Mappe mit der privaten To-Do-Liste geschnappt und habe einfach mal darin herumgeblättert. Mir fiel ein Blatt in die Hand, darauf hatte ich verschiedene ausgeschnittene Bilder draufgeklebt. Eine schöne Uhr. Eine Strand mit Palmen. Ein Auto. Ein MacBook. Dieses Blatt hatte ich erstellt, kurz nachdem ich mich selbständig gemacht hatte. Mein Geschäftspartner sagte damals, dass ich das mal machen sollte, da es wichtig ist, nicht ziellos umherzuirren, sondern feste Ziele und Wünsche zu haben, auf die man hinarbeiten und sich freuen könnte. Was fiel mir auf, ich hatte mittlerweile alle Ziele und Wünsche auf der Liste abgearbeitet. Sie alle erreicht. Und ich glaube, genau das war und ist auch mein Problem.

In deinem Navi, musst du auch ein Ziel eingeben, wenn du irgendwo ankommen möchtest. Ansonsten fährst du einfach ziellos kreuz und quer durch die Gegend. Und dann ist es auch kein Wunder, wenn man morgens aufsteht, einfach nur zur Arbeit geht. Abends dann auf der Couch landet und sich irgendwelche Grütze im TV anschaut, bis man dann müde wird und ins Bett geht. Wenn das Leben ist, ist der Tod ja fast schon eine Erlösung.

Und dann stellt man sich zwangsläufig irgendwann die Frage: Was ist eigentlich der Sinn meines Lebens?

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7 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Mrs.Sunshine
23. März 2019 16:09

Ich glaub diese Zeit mit den Freunden kennt jeder. Meine haben nicht mal alle Kinder und sind trotzdem so. Irgendwie iss da der Wurm drin. Ich wunder mich auch immer wieder wie das so kam….

Achso… ich mag den Ben in dir übrigens sehr

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Man hat nur ein Leben,und das sollte man so gestalten wie man es möchte,einfach gesagt .Mein Lieblingsspruch wo ein Wille,da auch ein Gebüsch.Ich bin ein Mensch der schon immer ,das Gegenteil von allen gemacht hat.Privat,Beruflich gegen ,alle Meinungen ein neues Leben in einen andern Bundesland angefangen .Wer nichts wagt…..Man kann es,wenn man es wirklich will..Die meisten Jammern zu viel rum,Und haben tausend Gründe warum irgentwas so nicht geht,leider schon zu oft gehört ,es langweilt mich.Lieber Ben auch wenn nicht alles umzusetzen ,geht tue und mache alles was geht.Das Leben ist verdammt kurz..Gruss Astrid

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    Liebe Astrid,

    du sprichst mir aus der Seele. Wir ticken gleich. Viele ändern nichts, aus Angst, dass etwas noch schlechter werden könnte. Schon der Motivanions-Coach Frank Wilde sagt immer, “Angst ist unser teuerster Begleiter!” und er hat recht. Als ich mich selbständig gemacht habe, haben mir (fast) alle abgeraten, “Das Risiko ist zu hoch. Du wirst immer Monate habe, wo du nichts hast… Bla bla bla…”. Scheiße, ich habe seit Jahren viel Erfolg damit und wieder (fast alle), “Na, wer weiß, wie lange das so bleibt. Das kann ja nicht ewig gutgehen, du wirst es noch bereuen… Bla bla bla” Und so ist es nicht nur im Job, sondern in Beziehungen und bei allem was wir machen. Nicht jammern, sondern ändern was einem nicht gefällt. Wenn es ein Partner ist, der einem nicht gut tut, weg damit. Nicht drüber nachdenken, ob der nächste noch schlimmer sein könnte, sondern sich einen aussuchen, der einen glücklich macht. Genauso verhält es sich mit dem Job. Wenn ich Montags schon Magenschmerzen habe, wenn ich zur Arbeit muss: Kündigen! Neuen Job suchen. Es kann nur besser werden. Wie du so schön sagst, dass Leben ist verdammt kurz. Zu kurz, um Dinge zu tun, die wir nicht wirklich tun wollen!

    Liebe Grüße,
    Ben

    Antworten

Angst Missgunst und Neid.Angst habe ich Persönlich noch nicht gehabt,ich habe ein Selbstbewustsein am Arsch über die Grenzen hinaus,mein Motto.. Ein Leben ,mein Leben. Ich bin nicht auf der Welt um irgentwelchen Leuten in den Ar… zu kriechen.Ich habe mich auch vor 4,5 Jahren Beruflich entschieden eine Sache zu tun ,weil ich es leiid war das Gemecker und Gezicke, meiner Arbeitskollegen mir weiter hin an zu tun,es kommt noch dazu das ich ein Morgenmuffel bin und sowas nicht um 6 Uhr brauche.Bis heute habe ich meine Umstrukturierung was den Job angeht ,nicht bereut ,auch bei mir ist es ein ständiges auf und ab.Heute weis ich ,es war das Richtige,habe aber auch gelernt in den letzten Jahren Ruhiger und Gelassener zu werden,was mein Temprament angeht,.Beruflichen Stress,hat jeder irgentwo,auch mit dem lernt man um zu gehen man muss nicht 24Std erreichbar sein.Wenn es wichtig ist ruft der Kunde Morgen auch noch an.Daheim ist Daheim,wenn man die Füsse hoch legt und sagt ,heute könnt ihr mich alle mal ,nur mein Privatleben ist jetzt wichtig.. Der einfachste Weg ist nicht immer der bessere nur der faulste L.G.Astrid

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P.S.Ich rede gerne über andere Dinge wie Kinder Haus Autos u.s.w lach habe ich schon .Kann ein Lied davon singen,andere Themen gibt es auch ,um mich herum nicht mehr,so geniesse ich die öfters intressanten Gespräche ,mit meiner Männlichen Busenfreundin,die alles andere als oftmals Jugendfrei sind,Spiessig langweilt uns,ehrlich wir schaffen es heute noch ,das andere sich nach uns umdrehen, in der Öffentlichkeit.Leider vermisse ich dieses sehr, mit meinen Umzug wo anders hin .Immer wieder ein Besuch wert im alten Bundesland NRW die Leute mit blöden Blicken hinter einen herschauen zu sehen.Frage,sind wir unmöglich…?Nein natürlich nicht.Wir Leben noch und haben Spass daran.

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