Mein persönliches Tagebuch | Lusttagebuch | BEN WILDER

27.02.2018 | Militante Aktivisten

TAGEbuch

Gestern musste ich lachen. Nachbar, Raucher, sieht mich auf dem Balkon dampfen. „Rauchst nicht mehr? Hast aufgehört?“

„Jau!“

„Dampfst jetzt?“

„Jau!“

„Dampfen ist doch noch viel schlimmer als rauchen… Außerdem, schaffst du ja eh nicht. Bis nächsten Freitag rauchst du wieder. Ich gebe dir keine Woche! Hab es auch schon ausprobiert, aber nach einer Woche habe ich wieder geraucht. Wird bei dir auch so sein!“

„Vielleicht…“

„Fängst, wieder an!“

„Glaube nicht.“

„Doch, doch!“

Was mir spontan dazu einfällt: Was wir selbst nicht schaffen, trauen wir auch keinem anderen zu!

Ich bin jetzt seit fast drei Wochen komplett rauchfrei. Seit Freitag habe ich wirklich keinerlei Gedanken mehr an Kippen. Selbst der Geschmack… Wenn ich dieses flüssige Tic-Tac-Liquid auf der Zunge schmecke, kriege ich fast einen Gaumen-Orgasmus, oder den leckeren Geschmack von rohem Zitronen-Kuchen-Teig. Beim Dampfen dieses Liquids werde ich sofort in meine Kindheit gebeamt. Sehe meine Mom vor mir, wie sie frischen Zitronenkuchen backt und wie ich die Schüssel mit dem Teig mit einem Löffel auskratzen darf. Ja, genauso schmeckt es, dieses Liquid. Hammer. Diesen Geschmack tauschen, gegen eine Zigarette? Nein, ich habe keinerlei Bedürfnis mehr danach.

Gestern war mein Kollege da. Er hat draußen auf dem Balkon eine geraucht. Als er wieder hereinkam stank er ekelig nach kaltem Rauch. Jetzt weiß ich, wie ekelig das für einen Nichtraucher ist. Nein, so möchte ich nicht mehr riechen.

Auch das Kaugummi, was er sich sofort in den Hals schiebt hilft nicht. Noch zehn Minuten lang rieche ich es und es riecht nicht gut. Aber egal, ich werde ihn nicht umkrempeln. Ich hasse es, wenn Menschen das versuchen.

Gedanklich führt es mich zwei Jahre in die Vergangenheit. Tourette-Barbie, so der Spitzname, den ich meiner „besten“ Freundin verpasst habe, hat aufgehört zu rauchen. Seitdem versucht sie jeden zu bekehren. Erzählt einem wie schädlich rauchen ist, und das man doch aufhören soll. Keine Zigarette ohne Standpauke.

Warum müssen Menschen immer wieder andere Menschen „bekehren“?

Das geht mir auch bei so vielen Vegetariern auf den Sack. Es ist doch in Ordnung, wenn sie kein Fleisch mehr essen wollen. Aber, warum müssen sie immer so militant auf einen einreden.

Wieder werde ich gedanklich in die Vergangenheit verfrachtet. Ich glaube es war letztes Jahr. Ich war in Bielefeld shoppen. Plötzlich geht ein Umzug los. CSD in Bielefeld. Hunderte von Schwulen und Lesben feiern. Ich sitze in einem Kaffee. Sie – und ich meine wirklich jeden – fragen mich höflich, ob sie einen Flyer bei mir hinlegen dürfen. Ich nicke. Lächle. Freue mich für sie. Sie haben Spaß. Sie haben gute Laune. Ein toller Umzug. Als der Umzug vorbei ist, ist eine halbe Stunde Ruhe, dann folgt ein Umzug.

Nun sind die Veganer dran. Sie fragen nicht höflich. Sie sehen mich. Ich trinke immer noch Latte Macchiato. „Ist da Milch drin?“, fragt mich eine. Die Stimme schon aggressiv. Auf Krawall aus.

„Ja!“, antworte ich.

„Das geht auch mit Soja-Milch!“, sagt sie.

„Ich weiß!“, antworte ich.

„Isst du auch Fleisch?“, will sie wissen.

„Oh ja, sehr gerne sogar!“

Sie guckt mich wütend an. „Es geht auch ohne. Man muss heutzutage kein Fleisch mehr essen! Wegen Menschen wie dir, müssen viele Tiere auf qualvolle Weise sterben!“

„Mag sein, aber ich esse eben sehr gerne ein leckeres Steak. Und ich grille im Sommer gerne.“

„Man kann auch Gemüse grillen!“

„Ja, muss man aber nicht.“

„Sollte man müssen. Wir sind sogar dafür, dass es ein Gesetz dagegen gibt!“

„Aha!“, antworte ich. „Jetzt geh bitte weiter, ich habe keine Lust mehr mich mit dir zu unterhalten!“

„Sie fängt an mich zu beschimpfen. Die Bedienung kommt und schickt sie weg.

Kaum ist sie fort, steht die nächste Aktivistin vor mir. „Ist da richtige Milch drin?“

Und sie, sie war nicht die letzte!

Ich hab mir irgendwann nur gedacht: Fahrt doch mal nach Afrika und erzählt einem hungrigen Löwen, dass er mal ein Tofu-Zebra oder eine Soja-Antilope ausprobieren soll…

Nein, so werde ich nicht werden. Ist mir doch egal, ob jemand raucht oder nicht. Ist doch sein Leben. Gut, es gibt Ausnahmen. Meine Mom hat COPD. Sie hat den Kampf mittlerweile aufgegeben und raucht wieder. Ich weiß, dass es die ohnehin kurze verbleibende Zeit noch deutlich verkürzen wird. Letztendlich ihre Entscheidung, aber ich muss es nicht gutheißen. Aber es ist meine Mom. Es ist meine Pflicht ihr zu helfen und so lange, bis sie mir nicht sagt, dass ich ruhig sein soll, dass ich aufhören soll, ihr ein schlechtes Gewissen zu machen, so lange kämpfe ich. Denn, nur weil sie bereits aufgegeben hat, heißt es nicht, dass ich auch resignieren muss. So lange, bis sie mir sagt, „Jung, lass gut sein. Ich will. Finde dich damit ab!“, so lange werde ich versuchen, sie zum Aufhören zu bewegen.

Was mir beim Dampfen aber auffällt, wie viele den Mund aufmachen, ohne überhaupt zu wissen wovon sie reden. Manche bekloppte meinen es ist „gesund“. Nein, es ist definitiv nicht gesund! Es ist auch nicht unschädlich. Ich würde niemals einem Nichtraucher empfehlen, mit dampfen anzufangen. Aber, dampfen – und es gibt mittlerweile viel Studien darüber und Aussagen von Ärzten, die ich persönlich kenne – ist deutlich weniger schädlich als rauchen.

Letzte Woche habe ich einen aktuellen Bericht gesehen. Er war sehr aufschlussreich. Jährlich sterben ca. 110.000 Menschen in Deutschland durch Tabak-Konsum.

Aussage der Studie: Würden alle Raucher auf Dampfen umsteigen, geht man davon aus, dass diese Zahl auf knapp 6.000 Tote pro Jahr sinken würde.

Demnach ist Dampfen knapp 95% weniger schädlich als rauchen. Das liegt daran, dass beim Dampfen keine Verbrennung stattfindet. Es ist nicht das Nikotin, dass uns umbringt. Es sind Teer und andere Giftstoffe, die sich in unseren Lungen festsetzen, du unsere Arterien verstopfen.

Wir müssen uns nur mal den Filter einer Zigarette nach dem Rauchen anschauen. Wie schwarz und ekelig der nach nur einer einzigen Kippe aussieht. Wie sieht unsere Lunge wohl aus, wenn wir Jahrzehnte lang zwanzig bis dreißig Kippen rauchen? Das alles hat man beim Dampfen nicht. Kein Teer und ca. 300 andere Giftstoffe, vor denen wir unseren Körper beschützen. Und selbst, wenn es nur 80% weniger schädlich wäre, würden 4 von 5 Menschen überleben und nicht an den Folgen von Tabak-Konsum sterben. Wenn das nicht ein Erfolg ist, dann weiß ich es nicht.

Natürlich ist das eine Entwicklung, die der Tabakindustrie nicht gefällt. Die Tabak-Lobby ist groß. Und die Tabak-Industrie will nicht, dass wir aufhören. Sie wollen uns weiter melken. Auch der Staat verdient gut.

Es ist schon krass, wie viel Geld es spart, wenn man nicht mehr raucht. 30 Tage * 7,- Euro (Big Box) = 210 Euro im Monat. Das sind im Jahr 2.520 Euro. Da kann man als Single mal locker jedes Jahr 14 Tage Kreuzfahrt von machen.

Was kostet mich das Dampfen? Ich habe es mal ausgerechnet. Nach der Anschaffung einer E-Zigarette oder einer ordentlichen Dampfe, kostet es mich als „Selbstmischer“ gerade einmal 0,47 Euro pro Tag. Also 14,- Euro im Monat oder 169,- Euro im Jahr. Süß, oder?

Das alles war mir aber so ziemlich egal. Das Geld hat mich nicht gejuckt. Und, dass ich jetzt vielleicht 5 Jahre eher abnipple, wenn ich weiterrauche auch nicht. Ich kann nicht einmal sagen, was es genau war. Und ich hatte ja auch die Dampfe schon länger und habe, gerade an regnerischen Tagen, lieber gedampft, als mich auf den Balkon zu stellen und mir einen nassen Arsch zu holen. Und dann, am Freitag den 09.02. habe ich meine letzte Schachtel Marlboro leer gemacht und habe einfach beschlossen: Ich kaufe mir keine neue mehr!

Das gesparte Geld habe ich am Samstag in neue Bücher, ein paar Blu-rays und fünf neue Aromen investiert. Wenn ich so in meinen Kühlschrank gucke, wo ich die angemischten Liquids aufbewahre, steht nun genug Reserve für die nächsten 7 Jahre. Ich muss also auch keine Panik haben, wie bei Kippen. Kein: Oh, du hast nur noch 3 Stück in der Schachtel. Musst du schnell noch einmal losfahren und welche holen, sonst hast du morgen früh keine mehr! Ich muss grinsen, wenn ich überlege, wie oft ich mich abends noch einmal angezogen habe und zur Tanke gefahren bin. Die Zeiten sind Geschichte.

Übrigens: Heute sind es draußen -13 Grad und ich muss nicht raus auf den Balkon…

Nein, ehrlich, ich will hier keinen bekehren oder dazu bringen, dass er oder sie mit dem rauchen aufhört! Ich freue mich einfach nur, dass es mir gelungen ist. Die ersten 2-3 Tage, die wahren komisch. Da hatte ich echt sowas wie ein Verlangen. Obwohl mir durch Nikotin im Liquid nichts gefehlt hat. Aber, am dritten Tag war es dann gut. 2 Wochen lang gab es dann so typische Situationen, wo man ansonsten eine geraucht hätte. Eben die Kippe und der Kaffee, morgens nach dem Aufstehen. Bei manchen vielleicht die Kippe nach dem Sex. Einfach die Situationen, wo man früher eben immer eine geraucht hätte. Genau in dem Moment, habe ich daran gedacht. Aber nicht mehr so, dass ich Verlangen danach gehabt hätte, sondern eher, dass ich aus Reflex nach der Kippenschachtel gegriffen hätte. Seit Freitag ist aber auch das Verschwunden. Ich greife in den Situationen jetzt nach der Dampfe. Und, ich freue mich, nach und nach die neuen Geschmäcker auszuprobieren.

Ich bin einfach…

Übrigens, darf ich vorstellen. Meine Shopping-Errungenschaften vom Samstag.

Als erstes war ich im Saturn und hab unter anderem ordentlich bei der 3 für 15 Euro Aktion zugeschlagen. Aber Freddey Krüger und Pennywise haben mich angefleht, dass ich sie bei mir einziehen lasse und wir zusammen eine WG gründen.

Knock Knock

“Knock Knock” – Ein Psychothriller mit Keanu Reeves

Ich denke, mehr muss man dazu nicht sagen, oder?

“Stolz, Vorurteil & Zombies” eine Horror-Komödie mit Zombies.

Ich habe ihn früher schon einmal gesehen. Die ersten 45 Minuten fand ich richtig gut, danach wurde er dann ziemlich durchgeknallt. Werde mir also nur die ersten 45 Minuten anschauen und wenn sie dann in den Fahrstuhl steigen, werde ich auf "Stop" drücken.

“The Cabin in the Woods” ein Horrorfilm.

A Nightmare on Elm Street Collection auf Blu-Ray

“A Nightmare on Elm Street” ein Horrorfilm. Ich denke, Freddy Krüger kennt jeder, oder?

Ich muss sagen, ich finde die Neuverfilmung sehr gut. Spannend. Toll gemacht. Jetzt weiß ich wieder, warum ich mich vor Clowns grusele!

“Es”, die Neuverfilmung eines Horror-Meister-Werks von Stephen King.

 

Dann war ich bei Thalia. Dort hatten sie einen Wühltisch aufgebaut, mit Büchern für 1,50 Euro. Auch dort habe ich ordentlich zugelangt…

Achtung: Menschen, die solche Werke triggern könnten, sollten besser die Finger davon lassen!

“Splitterfasernackt”, harter Lesestoff von einer Jungen Frau die darüber berichtet, wie sie als junges Mädchen vergewaltigt worden ist. Dieses Buch hatte mich vor Jahren schon schwer berührt.

Das kenne ich noch nicht. Da kann ich erst in ein paar Wochen etwas zu sagen. Aber, ebenfalls harter Lesestoff. Mir gefällt der Schreibstil. Ich finde Lilly Lindner hat einen tollen Schreibstil.

“Winterwassertief”, das zweite Buch von Lilly Linder.

Mir hat einfach der Klappentext gefallen. Wie es ist, werde ich in Kürze herausfinden!

Charlotte Roche “Mädchen für alles”

Ich fand den Titel einfach lustig und dachte, ich lese mir mal durch, was er zu sagen hat. Für 1,50 Euro war es mir das wert!

Stefan Scheiblecker packt in seinem Buch “Elf Zentimeter” aus…. 😉

Vorheriger Beitrag
20.02.2018 | Lasst die Leute jammern
Nächster Beitrag
Willkommen im Hamsterrad

Ähnliche Beiträge

3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Hey Ben, super das du standhaft bleibst und keine Zigaretten mehr anpackst. Find ich echt gut und ich denke du wirst das weiter schaffen.

Wie ist das nun eigentlich, mir wurde erzählt, das dann als Nichtraucher der Geschmack ganz anders wäre, also intensiver. Genau wie mit Gerüchen, da würde dann alles wieder anders wahr genommen. Empfindest du das genau so?
Nichtraucher die mal Raucher waren, sind auch oft die schlechteren Nichtraucher und meckern sehr viel.
Genau wie dann bei Vegetariern, die alle bekehren wollen.

Hast dein Geld gut investiert denke ich. Knock knock kam letztens im TV der war ganz gut

Lg

Antworten
bekka - ichwill_so_viel
13. März 2018 14:23

Ich mag ja diesen kleinen Einblick ins Leben… Diesen Schulterblick, der wie ein Blick ins Wohnzimmer ist.

Danke Dir 🙂

Liebe Grüße
bekka

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü
%d Bloggern gefällt das: