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Und noch ein ernster Eintrag in meinem Tagebuch. Mir ist aufgefallen, dass es etwas gibt, dass mich gewaltig stört und ich glaube, vielen Menschen ist gar nicht bewusst, was sie damit anrichten. Traurig, genau die Menschen, die diese schlimmen Dinge immer wieder tun, werden meinen Blogeintrag, meinen Tagebucheintrag, niemals lesen. Sie beschäftigen sich nämlich nicht damit, wie es anderen Menschen geht. Sie fragen sich nicht, was ihre Worte bewirken. Sie sind dumm. Sie sind egoistisch. Selbstverliebt. Selbstverherrlichend. Narzisstisch. Wovon redet dieser Ben Wilder bitte gerade?, fragst du dich jetzt bestimmt.

Es geht darum, wie wir mit Menschen umgehen. Sie quälen. Ihr Selbstbewusstsein zerstören. Ihr Selbstwertgefühl vernichten. Sie krank machen. Das Schlimme ist, sie glauben oft sogar, dass sie uns mit ihren Worten einen Gefallen tun, etwas Gutes tun. Familienmitglieder, Freunde, Arbeitskollegen und häufig sogar der eigene Partner.

Bei Fremden ist es anders. Da gibt es zwei Arten von Menschen. Die einen lästern einfach und glauben, dass wir es nicht mitbekommen. Da unterstelle ich nicht einmal echte Boshaftigkeit. Richtig schlimm finde ich diejenigen, die es sogar mit purer Absicht machen. Die es vollkommen bewusst so machen, dass wir es mitbekommen. Solche Menschen hasse ich wirklich. Die gehören für mich in die gleiche Schublade, wie Mörder oder Vergewaltiger. Das Einzige, was diese Menschen von echten Mördern oder Vergewaltigern unterscheidet ist die Tatsache, dass sie uns nicht körperlich vergewaltigen, sondern seelisch. Sie ermorden und nicht mit einer echten Pistole, sondern mit Worten. Ihr wisst noch immer nicht wovon ich rede? Ich werde für euch konkreter.

Ihr, die meinem Lusttagebuch schon länger folgt und meine Beiträge lest, ihr wisst, dass ich nicht der Schlankste bin. Ich habe keinen tollen Body wie Christian Grey. Ich habe kein Sixpack. Nein, ich habe einen richtigen Waschbärbauch. Zwar nicht seit Geburt an. Als Kind war ich sogar richtig dünn. Da haben meine Eltern mit mir gestritten und mir ständig in den Ohren gelegen mit, »Kind, du musst mehr Essen. Du bist viel zu dürr!« Dann habe ich mir irgendwann einen Bänderriss zugezogen. Ich wurde operiert und lag 3Wochen im Krankenhaus und musste insgesamt für 6 Wochen einen Gips tragen. In diesen 6 Wochen haben mir Eltern, Großeltern, Geschwister und Freunde ganz viele Süßigkeiten mitgebracht und ich hatte schnell die ersten Kilos drauf. Freunde hatten in der kurzen Zeit neue Cliquen gebildet und mir fiel es schwer dort wieder richtig reinzukommen. Außerdem kamen PC’s in Mode und viele meiner Freunde mutierten zu Zockern. Sie saßen nur noch in der Bude herum, anstatt draußen zu toben und sich zu bewegen. Bei mir hat es dazu geführt, dass ich viel allein zuhause gesessen habe. Ferngesehen habe. Süßigkeiten gefuttert habe. Meine Mom hat ziemlich kalorienreich gekocht. Alles wurde paniert. Meist gab es leckere Bratkartoffeln dazu und Gemüse, Gemüse mochte ich nur, wenn es mit Sahnesauce übergossen wurde. Ich musste nicht einmal darum bitten, es entsprach auch so der Kochart meiner Mom.

Nach einem Jahr hatte es richtig gut gewirkt. Ich bin zum Moppelchen mutiert. Ich war der letzte in der Schule, der in eine Sportmannschaft gewählt wurde. Komisch, wo ich schlank war, war ich immer einer der Ersten. Ich wurde gehänselt. Klar, einige haben mich ausgelacht. Aber, im Vergleich was heutzutage an Schulen abgeht und dann über Facebook und Co verbreitet wird, war es bei mir sogar noch harmlos. Aber, Kinder waren schon früher gemein.

Zuhause hat es dann angefangen, dass mir Eltern, Großeltern und Geschwister immer wieder eingeredet haben, »Junge, du bist zu dick. Du musst abnehmen.« Meist folgte dann im Nachsatz aber auch schon, »Essen ist übrigens fertig. Gibt Schnitzel mit Bratkartoffeln, Blumenkohl mit Sahnesauce und Nachtisch gibt es auch. Lecker Schokopudding mit Vanillesauce.«

Irgendwann kam ich dann in die Pubertät. Meine Freunde hatten die ersten Freundinnen. Die ersten Küsse. Das erste Mal. Und ich, ich war immer der Kumpeltyp. Der ich-wünschte-mein-Freund-wäre-so-lieb-und-einfühlsam-wie-du-Typ. Ficken lassen haben sie sich jedoch vom ich-bin-zwar-ein-Arschloch-und-ich-behandle-dich-wie-Dreck-ich-habe-aber-einen-geilen-Body-Tpen.

Ich habe also mit Sport angefangen. Exzessives Inline-Skaten und danach auch Kickboxen. Es wirkte schnell und schon ganz gut. Es ging aber alles noch ein bisschen schneller, als ich angefangen habe, nach dem Essen kurz auf die Toilette zu gehen. Krass, wenn ich heute so drüber nachdenke. Meine Eltern waren nur einen Raum von mir entfernt und haben trotzdem nicht mitbekommen, dass ich mir nach dem Essen den Finger in den Hals gesteckt habe. Erschreckend eigentlich. Nach 6 Monaten hatte ich es geschafft und durch Sport und Essenrückgabe hatte ich auch wieder einen tollen Body. Den hatte ich dann auch ein paar Jahre. Dann kam Abistress. Anschließend die Ausbildung. Eine Frau. Ich kam nicht mehr zum Sport und nahm wieder zu. Die Frau ließ mich spüren, dass ich ihr nicht mehr gefalle. Sie sagte zwar nichts, aber sie zeigte es mir auf die Art und Weise, wie es leider viele Frauen und Männer tun. Auf eine Weise, die den anderen krank und kaputt macht.

Dann habe ich mich getrennt. Habe darauf irgendwann, nachdem ich mich erholt hatte, wieder angefangen Sport zu machen und sage und schreibe 45 Kilo abgenommen. Es fehlten zwar noch ein paar Kilo zum Wunsch-Gewicht, aber ich habe mich schon ziemlich wohl in meiner Haut gefühlt.

Zwei Jahre konnte ich mein Gewicht auch gut halten. Dann habe ich mich selbständig gemacht und saß jeden Tag 12-16 Stunden vorm PC. Zeit für Sport, Fehlanzeige. Zeit um sich wirklich auf die Ernährung zu konzentrieren und sich gesund zu ernähren Fehlanzeige. Meist habe ich den ganzen Tag gar nichts gegessen. Mich hauptsächlich durch schwarzen Kaffee ohne Milch und ohne Zucker ernährt. Abends dann mal eine Portion Spaghetti Bolognese, ein Schlemmerfilet oder eine Fertig-Pizza. Kalorientechnisch meist weniger als 1.200 Kalorien. Die meisten Menschen würden hier eher abnehmen. Bei mir bewirken Stress und zu wenig essen aber das genaue Gegenteil. Nach 7 Jahren habe ich die 45 Kilo wieder drauf.

Und wieder höre ich, wenn ich meine Eltern besuche, »Schatz, du hast ganz schön zugenommen. Du musst dringend abnehmen!«

Treffe ich Freunde, sagen diese, »Du bist aber wieder ganz schön fett geworden. Du musst dringend wieder abnehmen!«

Noch schlimmer, wenn ich dann höre, »Du, ich habe letztens die Julia getroffen. Die hat ganz schön über dein Gewicht gelästert und sich ziemlich auf deine Kosten amüsiert…« Dann denkst du nach. Denkst, dass du eigentlich geglaubt hast, dass die Julia eine echte Freundin ist und findest es scheiße, dass sie hinter deinem Rücken über dich gelästert hat und nicht den Arsch in der Hose hatte, es dir ins Gesicht zu sagen. Das fühlt sich zwar auch nicht schön an, aber es ist zumindest ehrlich.

Ganz ehrlich, in solchen Momenten fühlt es sich an, als würde jemand eine Waffe auf dich richten. Es fühlt sich so richtig scheiße an. Eine Waffe tötet jedoch schnell. Diese Worte jedoch, die wirken schleichend. Wie das Gift einer Schlange. Sie vergiften deine Seele. Stück für Stück stirbt dein Selbstbewusstsein ab. Es verfärbt deine bunte Seele zuerst schwarz und dann stirbt sie. Du. Langsam. Schleichend. Dahinsiechend.

Es ist ja nicht so, dass sie unrecht haben. Ob ihr es glaubt oder nicht, wir ›dicken‹ haben auch Spiegel. Ich habe sogar einen Spiegel im Schlafzimmer und einen im Badezimmer. Ich sehe selbst, dass ich wieder ganz schön zugelegt habe. Und ich schaue nicht in den Spiegel und denke, »Wahnsinn, dieses Doppelkinn. Einfach der Hammer!«, oder, »Wundervoll. Dieser Schwabbelbauch. Oh, ich bin einfach das geilste Stück Fleisch unter der Sonne. Am liebsten würde ich mich den ganzen Tag lang vorm Spiegel selber ficken und mir dabei zusehen!«

Also, warum sagt ihr uns das immer wieder? Wir wissen es doch selbst! Wir brauchen euch nicht dafür zu erkennen, dass wir zu dick sind. Zu dünn sind. Zu groß sind. Zu klein sind. Ein Nase wie ein Hühnerhabicht haben. Schlauchtitten. Hängebusen. Schamlippen die aussehen wie Rouladenfleisch vom Vortag.

(Übrigens: es tut vielleicht nichts zur Sache, aber ich persönlich mag es, wenn die inneren Schamlippen größer und länger sind als die äußeren. Ich finde das sehr sexy und weiblich und wunderschön!)

Jeder von uns hat sicherlich irgendetwas, was uns an uns nicht gefällt. Was wir uns anders wünschen würden. Warum zum Teufel haben die Menschen nichts anderes zum tun, als uns immer und immer wieder damit zu konfrontieren? Macht das irgendetwas besser? Hilft uns das? Warum setzt sich nicht einfach jeder mit sich selbst auseinander. Mit seinem eigenen persönlichen scheiß Problem? Also, noch einmal die Frage: Macht ihr irgendetwas besser, wenn ihr andere Menschen immer wieder mit deren Schwächen konfrontiert?

Nein, ganz im Gegenteil. Ihr suggeriert uns damit nur, dass irgendetwas an uns nicht gut ist. Nicht gut genug. Das wir schlecht sind. Nicht dem Ideal entsprechen. Aber wer tut das Bitteschön schon? Guckt euch mal eine Pamela Anderson an, die als C.J. Parker in Baywatch Männer verrückt gemacht hat. Ich möchte nicht wissen, wie viele Packungen Taschentücher wegen ihr draufgegangen sind. Und nicht, weil es uns in der Nase gejuckt hat, sondern eher zu einem Jucken in der Leistengegend geführt hat. Wenn die ungeschminkt ist oder bzw. zu Baywatch-Zeiten war, ich sage euch, viele unserer »normalen« Frauen sehen ungeschminkt tausendmal hübscher aus.

Und was bedeutet dieses »hübsch« sein eigentlich? Nicht falsch verstehen, ich finde es toll, wenn jemand so diszipliniert ist, dass er jeden Tag ins Fitnessstudio rennt und an seinem Body feilt. Ich wünschte, ich könnte das auch. Ja, ich weiß, jeder kann das, wenn man seine Prioritäten dermaßen setzt. Meine Prioritäten sind derzeit beruflich und privat anders aufgestellt. Zwar feile ich daran, bald mehr Zeit zu haben und dann auch wieder Zeit für einen Sport zu haben. Aktuell ist es mir aber einfach nicht möglich. Wir kennen sicherlich alle dieses Dilemma, dass ein Tag nur 24 Stunden hat und wir auch noch schlafen müssen. Irgendwann. Irgendwie.

Beim dick sein geht es sogar noch. Wir können daran etwas ändern, wenn wir es doll genug wollen. Aber jemand, der in der Gen-Lotterie nicht so viel Glück hat und ein hässliches Gesicht gewonnen hat, der kann daran mal nicht mal eben etwas ändern. Und, er oder sie sollte es auch nicht. Wir können nicht alle aussehen wie ein Victoria’s Secret Model.

Außerdem kommt es darauf auch gar nicht an. Viele wissen es zwar nicht, aber es sind nicht unsere wohlgeformten Moleküle die uns anziehend machen. Es ist unsere Ausstrahlung. Du kannst noch so hübsch sein, wenn du einer dieser Menschen bist, die überall nur Probleme sehen. Bei denen die Welt immer düster und schwarz ist, dann kannst du noch so toll aussehen. Du wirst nie glücklich werden. Du liebst die Welt nicht. Siehst alles negativ. Magst dich nicht. Und somit ist es auch kein Wunder, dass dich niemand mag.

Es sind die Menschen, die sich wohlfühlen. Die positiv denken. Die mit einem Lächeln einen Raum betreten und diesen mit ihrem Lächeln und ihrer Ausstrahlung erhellen. Das sind die Menschen, wo wir denken: Wahnsinn, die sieht glücklich aus und ich will ein Stück von ihrem Glück! Und dann ist es scheißegal, ob der Mann oder die Frau 60kg, 80kg oder 120kg wiegt. Es ist egal, ob sie rote Haare, blonde Haare, schwarze Haare hat. Es ist egal, ob sie bis zur letzten Faser ihres Körpers durchtrainiert ist oder ein Genussmensch. Es ist auch egal, ob sie irgendwelchen Schönheitsidealen entspricht. Ich persönlich finde es sogar toll, wenn das nicht der Fall ist. Ich mag Schönheitsfehler. Makel. Auffälligkeiten. Das unterscheidet sie von anderen und ich finde es geil, wenn jemand anders ist als die Anderen.

Ich mag es, wenn jemand Persönlichkeit hat. Eine Persönlichkeit ist. Tätowiert. Gepierct. Vollkommen duschgeknallt. Hauptsache sie ist gut drauf und fühlt sich wohl. Und das ist es, was wir verstehen müssen. Wir müssen dafür Sorgen, dass sich Menschen wohlfühlen! Wir müssen ihnen nicht ständig erzählen, was bei ihnen nicht toll ist. Wir müssen ihnen erzählen, was wir an ihnen toll finden!

Es ist Fakt: Wir glauben alles, wenn man es nur oft genug wiederholt. Es oft genug eingeimpft kriegt.

Wie soll sich jemand wohl in seiner Haut fühlen, wenn er ständig hört: Du bist zu dick! Du hast eine krumme Nase! Du hast komische Proportionen! Du hast zu kleine Brüste! Du hast einen zu dicken Hintern! Deine Schamlippen sehen aber komisch aus! Du hast aber hässliche Frodo-Füße!

Wenn ihnen das immer und immer wieder eingetrichtert wird glauben sie es. Häufig fangen sie irgendwann sogar an, sich zu Hause zu verstecken. Einzumauern. Manchmal bringen sie sich sogar um. Leute, sowas ist auch Mobbing. Bei manchen absichtlich. Die tun das wirklich um Leute zu verletzen. Bei manchen unabsichtlich, weil sie sogar meinen, sie helfen der Person dadurch.

Es hilft nicht! Die Menschen sitzen danach nur niedergeschlagen da. Und machen sich selbst noch kleiner.

Mir fällt da mein bester Freund ein. Der hat mal aus Unachtsamkeit einen Spruch rausgelassen. Er hat einfach nicht nachgedacht. Er war mit seiner Frau im Urlaub. Sie saßen am Meer. Haben die Sonne genossen und gebadet und dann kamen sie wieder. Und während wir dann in geselliger Runde zusammensitzen und einer fragt, »Wie war es denn im Urlaub?«, fängt er zu erzählen an.

»Eigentlich ganz schön. Nur am Strand, da war es nicht so toll. Ihr glaubt nicht, wie viel Fette dort herumgelaufen sind. Sowas willst du halt nicht sehen. Du willst tolle Körper sehen. Du siehst ja auch tolles Meer. Tolles Wetter. Und dann geht vor dir so eine Dampfwalze und die Bilder brennen sich in deinen Kopf. Ganz ehrlich. Abends wollte ich mit meiner Frau schlafen. Ging aber nicht. In meinem Kopf war immer noch das Bild von der Schwabbligen. Ich fand das so widerlich. Ich hab echt keinen mehr hochbekommen. Ganz ehrlich. Die sollen ja auch Urlaub machen. Die haben auch Sonne verdient und Strand und Meer, aber warum macht man für die nicht einfach einen Fetten-Strand? Einen für schöne Menschen und einen für hässliche Menschen?«

Ich habe es einen Moment sacken lassen, dann habe ich laut ausgeatmet, ihn angesehen und gesagt, »Wir wollten ja eigentlich zusammen in den Urlaub. Ging bei mir ja aus beruflichen Gründen nicht. Aber, wenn ich das jetzt höre, bin ich froh, dass ich nicht mitgeflogen bin. Dann wäre ich ja schuld, dass du den ganzen Urlaub über nicht mit deiner Frau hättest schlafen können. Weil, du hättest wegen mir dann ja auch keinen mehr hochbekommen. Denn, wie du weißt, ich bin auch dick!«

Da schluckte er und in diesem Moment wurde ihm erst bewusst, was er überhaupt gesagt hat. Er sah mich an und versuchte die Situation zu retten. »Ben, du bist mein Freund. Das ist etwas anderes. Die bist ja ein toller Mensch. Bei dir stört es mich nicht!«

Fuck off!

Ganz ehrlich, ich würde es toll finden, wenn es Strände für dicke gäbe. Meinetwegen ein Gemeinschaftsstrand für: Dicke, Dürre, Farbige, Behinderte, Homosexuelle und sonstige Menschen, die dem Ideal nicht entsprechen. Denn wir haben alle eines gemeinsam. Wir sind Geächtete der Gesellschaft und wir wünschen uns alle das Gleiche: Wir wünschen uns eine tolerante Welt. Wo wir so akzeptiert werden wie wir sind.

Und kein Scherz, als ich 2008 mit meiner damaligen Freundin im Urlaub war, da sind wir absichtlich immer an den Schwulen- und Lesben-Strand gegangen. Zumindest ab dem zweiten Tag. Am ersten Tag sind wir an den Normalo-Strand gegangen und ich habe die Blicke der Leute gespürt, die mich abwertend angesehen haben. Ich habe ihre Kommentare gehört. Ihre, »Guck mal da den dicken. Ekelhaft, oder? Sowas sollte hier verboten werden!« Ja, ich habe sie gehört. Sie haben nicht einmal versucht leise zu sprechen. Ich sollte es auch hören und mich nie wieder dorthin trauen. Und ab dem zweiten Tag, hab ich mich wohlgefühlt. Am Schwulen- und Lesben-Strand war alles schön. Jeder wollte nur sein dürfen, wie er ist. Keiner hat mich blöd angeschaut. Keiner hat blöde Sprüche abgelassen. Im Gegenteil. Wir haben uns gut mit vielen Paaren unterhalten. Mit hetero und homosexuellen Paaren. Es waren nämlich viele »normale« Paare dort. Paare, die nicht bloß auf Oberflächlichkeiten achteten.

Ich frage mich nur, wenn es diese Strände gäbe für »schöne« und für »hässliche« Menschen. Wer müsste dann wohin? Welche Schönheit zählt. Die des Herzens? Die unserer Seele? Oder die unserer Moleküle? Denn oft sind es die körperlich super hübschen Menschen, die in Wirklichkeit ein ziemlich hässliches Herz haben. Die Menschen einfach nur nach ihrer Optik beurteilen und nicht nach ihren inneren Werten.

Es ist eigentlich schade, dass der Körper nicht dem Herzen folgt. Denn, dann würde man Menschen mit einem schlechten Herzen sofort an ihrer äußerlichen Schönheit erkennen. Ich denke, dass würde die Welt viel gerechter machen und so manche Frau und so mancher Mann würden so manchen Fehler nicht machen. Nicht auf so manchen Typen reinfallen, weil er eine tolle Verpackung hatte, sie aber erst viel zu spät merken, dass der Inhalt nicht schmeckt.

Aber wir können es nicht ändern. Wir können die Welt nur ein kleines bisschen besser machen. Ich meide so gut wie möglich die Menschen, die mich runterziehen. Die, die mir immer nur sagen, was an mir nicht gut ist. Nicht gut genug.

Ich umgebe mich mit Menschen, die mir in gutes Gefühl geben. Die mir hin und wieder sagen, was sie an mir mögen. Durch sie habe ich aus der Dunkelheit hinausgefunden. Durch sie habe ich gelernt, dass ich ganz viele tolle Eigenschaften habe. Es ist zwar immer besser, wenn man so gut aufgestellt ist, dass man sich dieses Gefühl, diese Bestätigung selbst geben kann. Aber gerade, wenn es einem mal nicht gut geht, hilft es, wenn es einem andere Menschen sagen.

Wunderschöne Dinge, die Menschen zu mir gesagt haben:

  • ich habe tolle Augen
  • ich habe schöne Hände
  • ich habe tolle Lippen
  • ich bin kreativ
  • ich bin ein interessanter Mann
  • ich habe eine tolle Ausstrahlung
  • ich bin sexy
  • ich bin ein toller Papa
  • ich bin intelligent
  • ich hab ein wunderschönes Herz
  • ich bin abwechslungsreich
  • ich denke nach
  • ich bin ein Genießer
  • ich habe tolle, breite Schultern
  • ich habe einen schönen Schwanz

Gut, dass zu glauben, vor allem das mit dem ›sexy‹ fällt mir manchmal schwer und ich denke: Kauf dir mal eine neue Brille!. Manchmal ist es halt gar nicht so einfach, ein Kompliment einfach anzunehmen. Dann kommen unsere alten Denkmuster wieder durch. Jemandem zu glauben, dass wir dick sind, ist halt einfacher. Das wurde uns eben oft genug eingeredet. Oft genug wiederholt. Dadurch haben wir es geglaubt. Jetzt jemandem zu glauben, dass er uns sexy findet… Puh, gar nicht so einfach. Zumindest nicht an Tagen, wo wir mit uns selbst eben nicht zufrieden sind. Ich persönlich, ich arbeite daran.

Das waren übrigens nur die Dinge, die mir spontan eingefallen sind, die mir tolle Menschen gesagt haben. Komischerweise waren es nicht meine Freunde. Nicht meine Familie. Nicht meine Kollegen. Es waren Leute, die ich bis auf wenige Ausnahmen gar nicht kenne. Zumindest nicht persönlich. Es waren Leute, die wie ihr meinen Blog lest. Leute, die ich von Twitter kenne. Die machen es komischerweise richtig. Sie geben mir ein gutes Gefühl.

Ich habe gelernt: Ich habe 15 tolle Eigenschaften. 15 Dinge, die an mir schön sind. 15 Dinge, die anderen Menschen gefallen. Es gibt nur 1 Sache, die mir nicht gefällt. Mit der ich nicht zufrieden sind. Für die mich oberflächliche Menschen kritisieren. Ich bin dick!

Eigentlich kann ich glücklich sein. Auf einer Skala von 1 bis 16 bin ich eine 15. Somit bin ich quasi auf einer Skala von 1 bis 10 eine 9,375. Runden wir ab auf eine 9. Ich bin auf einer Skala von 1 bis 10 eine glatte 9.

Ich bin ein Traummann!

Und ich mache jetzt eines, ich lese mir die 15 tollen Eigenschaften so lange durch. Jeden Morgen. Jeden Abend. Bis ich daran glaube. Bis ich mit mir im Reinen bin. Bis ich lächelnd in einen Raum gehe und mir diese Menschen, die mich schlechtreden wollen, nichts mehr können.

Außerdem mache ich noch was: Ich sage den Menschen nicht mehr, was mir an ihnen nicht gefällt. Jedenfalls nicht, wenn es nicht sein muss. Ich sage ihnen nur noch, was ich an ihnen toll find. Und ich glaube, wenn das jeder so machen würde, dann würden wir in einem viel glücklicheren und toleranteren Land leben und wer weiß, vielleicht steckt wir irgendwann die ganze Welt damit an. Wäre das nicht wunderbar?

Wenn wir die Welt verändern wollen, dann müssen wir bei uns anfangen.

Ich hoffe, ich habe euch mit meinen Worten nicht gelangweilt. Zwar vermute ich, dass die oberflächlichen Menschen, die diesen Beitrag lesen sollte, ihn wahrscheinlich nicht gelesen haben. Sie sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, aber wenn dieser Beitrag nur einem Menschen hilft, dann hat er sich schon gelohnt und ich bin froh, dass ich ihn geschrieben habe.

Seid stark, lasst euch nicht unterkriegen. Und wenn du am Boden liegst, steh wieder auf. Einmal noch. Steh wieder auf!

Liebe Grüße, euer

Ben

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